Existenz des Österreichischen Kulturservice bedroht

23. September 2002, 15:07
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ÖKS-Geschäftsführer Michael Wimmer fürchtet um Weiterbestehen des Kulturvermittlungsvereins - Ministerium kritisiert "saturierte, quasi beamtete Haltung"

Wien - Die Kulturvermittlungsorganisation Österreichischer Kulturservice (ÖKS) sieht ihre künftige Tätigkeit auf Grund von Einsparungsmaßnahmen des Bildungsministeriums massiv bedroht, wie die Tageszeitung "Der Standard" berichtete. Hatte die Subvention heuer noch 1,5 Millionen Euro betragen, soll der Verein 2003 mit 900.000 Euro das Auslangen finden. Gedacht ist auch an eine Fusion mit dem Verein KulturKontakt, um Synergieeffekte zu erzielen. ÖKS-Geschäftsführer Michael Wimmer sagte Montag, dass er von dieser Nachricht "bass erstaunt" gewesen sei.

"Trotz bereits erfolgter Budgetkürzungen in den letzten beiden Jahren fuhren wir einen Reformkurs samt inhaltlicher Aufrüstung. Ich hatte sogar den Eindruck, dass das Ministerium unsere Arbeit als sehr positiv anerkannte", meinte Wimmer. Er habe weiters vor zwei Jahren ein Organisationskonzept zur Fusionierung der beiden Vereine vorgelegt, allerdings ohne Zahlen zu nennen. "Die kannten wir ja nicht, das wäre unseriös gewesen". Erstaunt zeigte sich Wimmer auch vom Zeitpunkt der Maßnahmen. "Im konservativen Bayern und in Südtirol werden gerade Kulturservice-Büros nach österreichischem Muster gegründet. Bei uns ist nur von schlanken Strukturen die Rede, aber die inhaltliche Diskussion über die Notwendigkeit von Kulturvermittlung vermisse ich völlig".

Die kolportierte Summe von 900.000 Euro will Heinz Gruber, Sektionschef im Bildungsministerium und Vorstandsmitglied des ÖKS, nicht bestätigen. Denn zunächst soll eine Arbeitsgruppe installiert werden, die anhand einer gründlichen Analyse mögliche Maßnahmen zur Zusammenlegung partieller Bereiche von ÖKS und KulturKontakt überprüfen soll. Auch an die Beiziehung der Unternehmensberatungfirma Infora ist gedacht. Dann erst wird ein Budget beschlossen. "Kein Mensch will das ÖKS auflösen", sagte Gruber zur APA. "Es leistet gute Arbeit und hat eine anerkannte Trademark. Für das begonnene Schuljahr bleiben alle Projekte aufrecht. Aber in gewissen Bereichen kann eingespart werden, etwa beim Marketing, das nicht immer zielführend war. Oder mehr Sponsorenleistungen könnten erbracht werden. Auch ist das Honorar Wimmers mit 200.000 Euro nicht gerade gering bemessen."

Es habe sich eine saturierte, quasi beamtete Haltung breit gemacht, die man sich eben heute nicht mehr leisten könne, meinte Gruber weiters. Auch habe sich die Situation an den Schulen, um die es in der Vermittlungstätigkeit des ÖKS ginge, einiges verändert. Lehrer hätten heute mehr Möglichkeiten, selbst in der Kulturvermittlung initiativ zu werden. "Und keinem der Jammernden scheint aufgefallen zu sein, dass in den letzten Jahren Bundesländer weit eine Reihe solcher Vereine entstanden sind, die alle dasselbe machen. Das ist aber in der Form nicht unbedingt sinnvoll". Am 8. Oktober wird im Rahmen einer Vorstandssitzung ein Finanzplan beschlossen. Ob natürlich allfällige jetzige Beschlüsse und Untersuchungsresultate auch für eine künftige Regierung bindend sind, ist nicht so fix. Solange es keine neue Regierung gibt, bleibt jedenfalls das bisherige Budget aufrecht. (APA)

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