Textilindustrie hat Nachwuchs-Sorgen

24. September 2002, 16:03
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Umsätze und Exporte legen zu - Positive Auftragslage gibt Optimismus für das zweite Halbjahr

Wien - Österreichs Textilindustrie trotzt zwar der aktuellen schlechten Wirtschaftslage, klagt jedoch immer mehr über Nachwuchsprobleme. "Wir haben einen enormen Bedarf an qualifizieren Fachkräften, die an den drei österreichischen Textilfachschulen ausgebildet werden", sagte der Präsident des Fachverbandes, Peter Pfneisl, am Montag bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse. Nach seinen Schätzungen fehlen im Textilbereich rund 300 Mitarbeiter. Pro Jahrgang seien aber nur 70 Schüler an den Schulen, so Pfneisl.

Einen der Gründe für den Fachkräftemangel sieht der Verbandspräsident im Standortproblem: Der Schwerpunkt der Ausbildung finde in Wien statt, die Industrie konzentriere sich jedoch in Westösterreich.

Positive Halbjahres-Entwicklung

Dennoch freut man sich im Fachverband über die positive Halbjahres-Entwicklung im Sektor: In den ersten sechs Monaten des Jahres ist der Umsatz um 3,5 Prozent auf 1,599 Mrd. Euro gestiegen. Die Zahl der Mitarbeiter sei auf Grund von Investitionen in die Rationalisierung erneut von 20.830 auf 19.497 zurück gegangen.

Die Exporte haben um 2,4 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro zugelegt. Dies sei zum einen auf die großen Investitionsschübe zur Produktivitätssteigerung zurückzuführen, die vor zehn Jahren begonnen wurden. Zum anderen habe auch ein Großteil der 242 österreichischen Textilunternehmen bei den Produkten umstrukturiert und setze nun vermehrt auf technische Textilien. Mittlerweile habe der Anteil dieser hoch innovativen Materialien 44 Prozent erreicht, freut sich Pfneisl. Der Umsatz in diesem Bereich ist um 13,9 Prozent gestiegen, die Exporte haben um 5,9 Prozent zugelegt.

Umsatzsteigerung bei Sticker

Auch im Bereich der Sticker wurde eine Umsatzsteigerung von 14,2 Prozent verbucht. Klassische Bereiche wie Bekleidungs- und Heimtextilien konnten diesem positiven Trend aber nicht folgen, berichtete der Geschäftsführer des Fachverbandes der Textilindustrie, Wolfgang Zeyringer: Wenn auch die Exporte gehalten werden konnten, seien die Umsätze leicht zurückgegangen. Vor allem die Nachfrage aus Deutschland - mit einem Anteil von 26 Prozent das größte Exportland für Österreichs Textilindustrie - sei für das Umsatzminus verantwortlich, hieß es.

Einen "erheblichen Schub" für die Textil-Exporte erwartet Pfneisl durch die EU-Osterweiterung. Bereits jetzt würden die Ostlieferungen einen Umsatzanteil von 19,8 Prozent erreichen, ein Wert, der nicht mehr wegzudenken sei.

Auch in das zweite Halbjahr gehe die Textilindustrie auf Grund der positiven Auftragslage "mit Zuversicht". Pfneisl geht davon aus, die Umsatzzuwächse vom ersten Halbjahr in die zweite Jahreshälfte mitnehmen zu können.(APA)

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