"Kino sollte Kultur und nicht Industrie sein"

23. September 2002, 13:32
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Francis Ford Coppola fordert junge RegisseurInnen zu mehr Innovation und künstlerischer Arbeit auf

San Sebastian - Filmregisseur Francis Ford Coppola forderte seine jüngeren Kollegen auf dem Internationalen Filmfestival von San Sebastian zu mehr Innovation und künstlerischer Arbeit auf. "Ich möchte, dass das Kino wie Poesie, wie Literatur, wie Kunst betrachtet wird. Das Kino sollte Kultur und nicht Industrie sein", wetterte der Regisseur von Filmen wie "Der Pate" oder "The rain people" vor allem gegen die Hollywood-Industrie.

"Das Innovativste kommt immer noch aus den Zeiten des Stummfilms"

Seiner Meinung nach würden heutzutage kaum noch gute Filme gemacht werden. "Die heutige Filmindustrie ist mehr als traurig. Das einzige, was zählt, ist das Geld. Die Sprache des Kinos wurde nur in den ersten beiden Jahrzehnten erfunden. Das Innovativste kommt immer noch aus den Zeiten des Stummfilms", erklärte Coppola auf einer zweistündigen Pressekonferenz.

Neue Wege, statt ständiger Wiederholungen des gleichen

Seiner Meinung nach hörten die Regisseure unter der Kontrolle der großen Filmstudios auf, neue Wege im Kino zu suchen. "Seitdem die Filmindustrie alles kontrolliert, wird nichts neues mehr gemacht. Ich fordere gerade die jungen Kollegen auf, sich wieder zu trauen, neue Wege einzuschlagen. Sie sollten wieder anfangen, zeitgenössische Filme zu machen, anstatt immer wieder das gleiche zu wiederholen. Das Kino sollte eine Kunst sein", so der Schaffer von "Apocalypse Now".

Kein "normaler" Regisseur

Er selbst möchte kein "normaler" Regisseur sein, sondern jemand, der eine neue Sprache erfindet und das Kino als Literatur betrachtet. "Das Kino ist die Lösung für viele Probleme der Menschen. Das Kino hat das Potenzial, neue und schönere Welten zu schaffen", schwärmte Coppola, der selbst keinen Film auf dem Filmfestival im nordspanischen Seebad präsentierte, jedoch sehr engagiert über sein neues Projekt "Megalopolis" sprach.

Kein Risiko scheuen

"Es ist beinahe ein zu großes, zu ehrgeiziges Projekt, an dem ich schon sehr lange arbeite. Ich habe beim Filmemachen nie das Risiko gescheut und auch bei diesem Film werden ich es nicht", erklärte Coppola, der seit knapp fünf Jahren keinen Film mehr gemacht hat. Es sei ein Traum für ihn, diesen futuristische Film auf die große Leinwand zu bringen. Bisher hatte er jedoch nicht das Geld für die Produktion zusammen.

"Megalopolis" spiele in New York in verschienen Epochen und handelt von der Zeit und dem Umgang der Menschen mit der selben. "Vielleicht klingt das abstrakt, aber die Zeit diktiert unser Leben, aber die Zeit ist auch eine Erfindung des Menschen. Dieser Film wird mein persönliches 'Krieg und Frieden' werden. Und wie Tolstoi zehn Jahre für seine Novelle brauchte, so nehme auch ich mir die Zeit, die ich brauche", rechtfertige Coppola seine lange Filmabstinenz. (APA)

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