Viel Pathos im Gerichtssaal

23. September 2002, 20:05
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US-Staranwalt Ed Fagan hatte seinen großen Auftritt und sagte nichts

Salzburg - US-Anwalt Ed Fagan hatte Montagvormittag seinen mit Spannung erwarteten Auftritt beim Kaprun-Prozess im Salzburger Kolpinghaus. Der umstrittene Advokat entsprach dabei jenem Bild, welches die Verteidiger der 16 Angeklagten seit Monaten von ihm zeichnen: Fagan erhebe im Zusammenhang mit der größten Brandkatastrophe der Zweiten Republik schwere Vorwürfe gegen die österreichischen Behörden. Er lege aber keinen einzigen Hinweis, geschweige denn einen Beweis vor.

Aus den Reihen der Verteidiger kam im Juni deshalb der Antrag, Fagan als Zeugen vorzuladen. Er wäre zu seinen Verdächtigungen, Beweismittel würden zurückgehalten oder verändert, zu befragen. Laut Fagan sei die Aufklärung der Brandkatastrophe im Tunnel der Kapruner Standseilbahn und des Todes von 155 Menschen am 11. November 2000 in Österreich nicht voll gewährleistet. Bei der Verhandlung am Montag legte der 49-jährige US-Jurist erneut keine Beweise vor.

Fagan machte von seinem Entschlagungsrecht Gebrauch, das ihm als Anwalt zusteht. Dafür bot er eine an heimischen Gerichten seltene Show. Fagan, als gefährdete Person von der Polizei extra geschützt, verwickelte Richter Manfred Seiss in eine langwierige Diskussion, ob und in welcher Form er vereidigt werde. Dass Seiss ihm die verlangte Bibel und die entzündeten Kerzen nicht gewährte, hielt den US-Anwalt jedenfalls nicht davon ab, gestenreich seinen Eid zu schwören: "Ich sage die Wahrheit, nichts als die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe."

Sagen wollte er dann mit Hinweis auf die Verschwiegenheitspflicht aber nichts. Mit dem Hinweis, möglicherweise doch einzelne Fragen zu beantworten, gelang es dem mediengewandten Fagan jedoch, einzelnen Verteidigern Fragen zu entlocken und seine für 15 Minuten angesetzte Einvernahme auf drei Stunden auszudehnen. Antworten waren keine zu erhalten, nur so viel: Er besitze streng vertrauliche Dokumente der US-Armee. Diese dürfe er allerdings nicht herausgeben.

Mittags verlor schließlich Richter Seiss die Geduld. Der Anlass: Fagan stellte die Qualität des Gerichtsdolmetsches infrage und widerrief alle seine vor dem Salzburger Gericht gemachten Angaben.

Nur wenig ergiebig

Nur wenig ergiebiger verlief die Einvernahme von David Roath. Der Arzt der US-Armee leitete im November 2000 die US-Delegation in Kaprun. Laut Roath hätte sein Auftrag nur darin bestanden, den Österreichern bei der Identifizierung der US-Opfer zu helfen. Es habe keinen Auftrag für gerichtliche Voruntersuchungen gegeben.

Roath bestätigte auch die Version der österreichischen Behörden, wonach außer den heimischen Beamten keine anderen Untersuchungsteams im Unglücksstollen auf das Kitzsteinhorn gewesen wären. Es selbst sei nie im Tunnel gewesen, und seines Wissens nach habe es auch keine anderen US-Teams im Unglückstunnel gegeben. (Gerhard Dorfi und Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2002)

Im Prozess um die Brandkatastrophe von Kaprun hatte Montag US-Staranwalt Ed Fagan seinen großen Auftritt. Er wollte die Wahrheit sagen, nichts als die Wahrheit, so wahr ihm Gott helfe. Gesagt hat er dann gar nichts.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    US-Anwalt Ed Fagan vor Beginn seiner Aussage

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