100 Vermisste nach Gletscherlawine in Russland

23. September 2002, 12:32
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Bisher konnten erst sechs Leichen geborgen werden

Wladikawkas - Drei Tage nach dem Abgang einer Gletscherlawine im Süden Russlands haben Rettungskräfte noch immer nach mehr als 100 Vermissten gesucht. Bis Montag konnten lediglich sechs Leichen aus dem Eis, Geröll und Schlamm geborgen werden.

Ein Sprecher des Inneministeriums von Nordossetien erklärte, bisher seien die Namen von 113 Vermissten bekannt. Diese Zahl könne aber noch ansteigen. Ein 150 Meter großes Gletscherstück hatte sich am Freitag gelöst und eine knapp 400 Meter breite Schneise der Verwüstung hinterlassen.

Stillstand erst nach 30 Kilometern

Die Lawine kam erst nach mehr als 30 Kilometern auf der Fernstraße von Gisel nach Karmadon zum Stillstand. Bis Montag hatten die Rettungskräfte eineinhalb Kilometer der Straße wieder freigeräumt. Für die kommenden Tage wurden Temperaturen bis 26 Grad vorhergesagt. Bei dieser Wärme könnte der Schnee schnell schmelzen und neue Lawinen auslösen. Am Sonntag hatten sich fast 500 Menschen an der Suche beteiligt.

Das Dorf Nischni Karmadon wurde teilweise zerstört. Zu den zertrümmerten Gebäuden in dem Dorf zählte auch ein Sanatorium. Allerdings war zunächst unklar, ob sich zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs jemand darin befunden hatte.

Filmcrew vermisst

Unter den Vermissten war auch der populäre 30-jährige Schauspieler Sergej Bodrow Jr., der mit einer Filmcrew für Dreharbeiten in den Bergen unterwegs war. 49 Mitglieder der Crew wurden vermisst, nur zwei konnten sich aus dem Katastrophengebiet retten. Auch nach Bergsteigern und Polizisten, die an der Grenze zwischen Nordossetien und Georgien patrouillierten, wurde gesucht.

Es war das dritte Mal binnen hundert Jahren, dass ein Teil des Gletschers abbrach. 1902 löschte ein Gletscherabriss das Dorf Genal aus, mehrere Dutzend Menschen wurden damals getötet. In den sechziger Jahren wurde das Anwachsen des Gletschers von Wissenschaftlern beobachtet; die Behörden bauten Barrieren. Diese sorgten dafür, dass der Schaden beim zweiten Abbruch des Gletschers 1969 geringer ausfiel. In den siebziger Jahren wurde die Beobachtung eingestellt. (APA/AP)

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