Slowakische Zeitungen zum Ausgang der Parlamentswahlen

23. September 2002, 12:00
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"Sme": "Slowakei das Land der Wunder" - "Pravda": In der Slowakei ist alles umgekehrt

Preßburg - "Die Slowakei ist ein Land der Wunder. Bei 28-prozentiger Arbeitslosigkeit und Dominanz linker Einstellungen hat sie ihr Schicksal in die Hände der liberal-konservativen Rechten gelegt. Aus der Wahlurne ist das richtige Los gefallen: Die schweren Defizite des Gesundheitswesens und des Staatsbudgets sind nur durch Rezepte zu lösen, die den sozialistischen Kern dieser Probleme angehen", schreibt die Tageszeitung "Sme" (Montagausgabe).

Die Tageszeitung "Pravda" schlug andere Töne an. Unter der Schlagzeile "Regierung ohne Rechts-Seele" schreibt sie: "Die normale Rechtsregierung, die uns binnen einiger Wochen vorgestellt wird, wird weder eine rechte Seele noch ein rechtes Mandat haben. Sie wurde von den Euro-Messianisten, die durch die inneren Verhältnisse tief enttäuscht sind, gewählt. Die Rolle der "Eurokritiker" wird die "rote" Opposition von Robert Fico spielen". Überall in der Welt seien die Rechten skeptisch gegenüber der EU, die Sozialisten seien jedoch EU-Enthusiasten. "Nur in der Slowakei ist es umgekehrt. Ist daran etwas Normales?", fragt sich "Pravda".

Die Tageszeitung "Novy den", die Positionen der Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS) vertritt, schreibt, dass die Slowakei vorgezogene Wahlen erwartet, weil die Mitte-Rechts-Regierung nicht fähig sein werde, die Probleme der Slowakei zu lösen. Die Wirtschaftszeitung "Hospodarske noviny" macht auf die Position der Partei der Ungarischen Koalition (SMK) aufmerksam. "Die Ungarn-Partei ist heute die einzige parlamentarische Partei im politischen System der demokratischen Slowakei, deren Wählerschaft ausschließlich auf das ethnische Prinzip gestellt ist". Die derzeitige politische Konfiguration sei für die Ungarn-Partei die große Gelegenheit, zu beweisen, dass auch für die Ungarn die Slowakei als Vaterland gilt. (APA)

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