Die Essenz des Hip-Hop

25. September 2002, 13:37
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Bahamadia, "Mutter" des Philly-Rap, gastiert in Wien

Wien - "Ich bin zum Hip-Hop wegen der Beats und der Percussion gekommen. Das war zu der Zeit als Disco und elektronische Musik aufkamen", erinnert sich Bahamadia, die vor mittlerweile 22 Jahren ihre Vorliebe für Rap entdeckte. Die 36-jährige Rap-Pionierin aus Philadelphia, mit dem bürgerlichem Namen Antonia Reed, begann ihre musikalische Karriere bereits 1980 im Alter von 14 Jahren als DJ.

Stilentwicklung

"Von 1980 bis 1983 war ich dann zunächst als DJ aktiv, erst 1984 habe ich angefangen, Texte zu schreiben, und bin dadurch erst so richtig in die Hip-Hop-Szene eingestiegen. Am Anfang hat bei mir jedoch alles sehr profan geklungen, erst im Laufe der Zeit habe ich Gefallen an meinem heutigen weichen, ernsten Stil gefunden. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass ich ein verantwortungsvollerer Mensch geworden bin."

Vorbild Salt 'n' Pepa

Zu Beginn ihrer MC-Laufbahn beeindruckte sie von den wenigen weiblichen Rap-Acts am meisten die Gruppe Salt 'n' Pepa. "Es ist eigentlich unmöglich, in Worte zu fassen, was Salt 'n' Pepa geleistet haben. Sie waren die ersten Frauen im Rap, die den Mut hatten, auf die Bühne raufzugehen, um zu zeigen, dass sie genauso gut waren wie die Männer. Sie haben sich nicht untergeordnet, sondern bewiesen, dass Frauen im Hip-Hop genauso viele Platten wie die männlichen Superstars verkaufen und Karriere machen können."

Kontakt zu den Roots

Doch während sich Salt 'n' Pepa im Laufe der Jahre immer mehr Richtung Pop entwickelt haben, hat die zweifache Mutter nie den Kontakt zum Underground verloren, auch nicht nach dem Erfolg ihres 1996 veröffentlichten und von der Kritik einhellig gefeierten Debütalbums "Kollage" (Chrysalis/EMI), das für den Soul-Train-Award nominiert wurde. So präsentierte sie etwa unter dem Titel "Bahamadia's B-Sides" eine wöchentliche Radioshow auf 103,9 WPHI-FM, einem Underground-Sender in Philadelphia.

"Die Szene hier in Philly ist sehr intim. Es gibt nur eine Handvoll PuristInnen, die versucht, die Essenz des Hip-Hop zu bewahren. Dieser Radiosender ist gewissermaßen die Basis für diesen harten Kern, und die Aufgabe meiner Sendung war es, neuen MusikerInnen und Labels eine Plattform zu bieten", erklärt Bahamadia. "Ich bin so etwas wie die Mutter für die Rap-Szene in Philly und gebe den Leuten Tips und Ratschläge. Ich höre mir Demos an und bewerte diese. Es ist mir aber ebenso wichtig, ein Feedback zu bekommen, was Leute von meinen Sachen halten. Denn konstruktive Kritik ist wichtig für die persönliche Weiterentwicklung." Doch genauso bedeutend ist für sie der fast tägliche Besuch von Plattenläden.

"Unabhängigkeit ist der richtige Weg"

Bahamadia ist in eine Perfektionistin, wie auch auf ihrer bisher letzten EP "BB Queen" (2000) nachzuhören ist. Dass dieses Opus auf dem Underground-Label "Goodvibe Recordings" erschienen ist, hat mit dem Streben nach Emanzipation von Major-Labels zu tun. "Unabhängigkeit ist der richtige Weg, denn so hat im Hip-Hop alles angefangen - mit unabhängigen Unternehmen. Und ich bin froh, dass sich die Szene zunehmend auf diesen ursprünglichen Weg rückbesinnt und ich dazugehöre." (APA/red)

29.9., Flex
Einlass ab 20 Uhr/Eintritt 10 Euro

flex

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    Bahamadia: "Unabhängigkeit ist der richtige Weg, denn so hat im Hip-Hop alles angefangen - mit unabhängigen Unternehmen."
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