Qwest räumt Bilanzierungsfehler in Höhe von 950 Millionen Dollar ein

23. September 2002, 10:22
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Umsatz beim US-Telekomriesen durch Tauschgeschäfte geschönt

Die US-Telekomgesellschaft Qwest Communications International hat am Sonntag Bilanzierungsfehler in Höhe von 950 Millionen Dollar eingeräumt. Der Umsatz war entstanden, indem das Unternehmen in den Jahren 2001 und 2000 Kapazitäten seines Glasfasernetzwerks im Tauschhandel an andere Carrier verkauft, und fast gleichzeitig zurückgekauft hatte. Ein weiterer Betrag von 531 Mio. Dollar, der auf ähnlichem Wege generiert wurde, müsse wahrscheinlich ebenfalls ausgebucht werden, Bilanzprüfer war Arthur Andersen.

Eingeständniss

Bereits im Juli hatte Qwest Bilanzierungsunregelmäßigkeiten in der Höhe von rund 1,16 Milliarden Dollar eingestanden und bekannt gegeben, die Bücher neu zu überprüfen. Nun sind die "Fehler" bereits auf 1,48 Mrd. Dollar angewachsen. Gegen das Unternehmen aus Denver (Colorado) läuft eine Untersuchung der Securities and Exchange Commission (SEC) wegen Bilanzmanipulation, auch das Justizministerium ermittelt. Nach Berichten der "New York Times" haben leitende Manager zudem beim Verkauf von Aktien des Unternehmens in der Zeit von 1999 bis 2001 ca. 500 Millionen Dollar verdient, die Kurse beruhten dabei auf den manipulierten Geschäftszahlen. Qwest gab zudem an, das die Geschäftszahlen für das dritte Quartal von Abschreibungen belastet sein würden.

Zahlreich

Qwest ist nur eines von vielen US-Telekomunternehmen, die wegen Bilanzunregelmäßigkeiten oder hoher Verschuldung ins Kreuzfeuer der Kritik kamen. WorldCom hatte in seinen Büchern 3,8 Milliarden Dollar zu viel verbucht, was schließlich zum Bankrott führte. Auch Global Crossing musste Gläubigerschutz nach Chapter 11 anmelden. Der ehemalige Qwest-Chef Joseph Nacchio wurde Mitte Juni vom Board des Unternehmens gefeuert. In der Folge trat auch Philip Anschutz, Chairman und "Erfinder" von Nacchio, zurück. Nacchio wurde vor allem der hohe Schuldenstand des Unternehmens zum Verhängnis. Qwest kämpft mit einem Schuldenberg von 26,4 Mrd. Ein weiterer Grund für den "Rauswurf" Nacchios liegt in der Entwicklung des Aktienkurses. Allein in diesem Jahr fiel der Kurs um 71 Prozent, verglichen mit dem Allzeithoch im Juli 2000 (57,88 Dollar) fielen die Aktien gar um 91 Prozent. (pte)

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