Hohe Wechselgebühr von D2 Vodafone behindert Wettbewerb

23. September 2002, 10:11
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Mobilfunkanbieter 02 schließt gerichtliches Vorgehen nicht aus

Der Mobilfunkanbieter O2 schließt einem Zeitungsbericht zufolge nicht aus, gerichtlich gegen die aus seiner Sicht zu hohe Wechselgebühr des Konkurrenten Vodafone bei einer Mitnahme der Mobilfunk-Rufnummer vorzugehen. O2-Deutschlandchef Rudolf Gröger sagte der "Financial Times Deutschland", er glaube nicht, dass der von Vodafone genannte Preis die tatsächlichen Verwaltungskosten widerspiegle.

Verunmöglichung

"Ich halte das für deutlich zu viel." Der Preis würde zudem keine häufigeren Wechsel der Kunden ermöglichen als derzeit. Eine Zunahme des Wettbewerbs wäre damit kaum möglich. Vor einer möglichen Klage warte O2 aber die Preisvorstellungen der anderen Unternehmen noch ab, sagte Gröger. "Wie wir mit dem Thema umgehen, werden die nächsten Tage zeigen."

Kostendeckung

D2-Vodafone-Sprecher Heiko Witzke sagte vergangene Woche, sein Unternehmen plane, dem ausscheidenden Kunden für die Mitnahme der Rufnummer eine Gebühr in der Größenordnung von 30 Euro in Rechnung zu stellen, um damit die beim Wechsel des Kunden entstehenden Kosten abdecke.

Ein wechselwilliger Kunde werde die Gebühr nicht an Vodafone bezahlen, ergänzte Gröger. "Er wird das von seinem neuen Anbieter haben wollen." Einen hohen Preis würden die Mobilfunkfirmen nur für Kunden zahlen, die hohe Umsätze brächten. "Wir werden uns die Kunden ansehen und dann überlegen, ob wir die Kosten übernehmen", sagte Gröger. Er halte einen Preis von rund zehn Euro für realistisch.

Kein Kommentar

Der Branchenführer T-Mobile und der drittgrößte Anbieter E-Plus wollten sich vergangene Woche nicht zur geplanten Höhe der Wechselgebühr äußern. In Unternehmenskreisen von E-Plus hatte es bisher allerdings geheißen, dass eine knapp unter den Forderungen der Wettbewerber liegende Gebühr geplant sei. Der Mobilfunkdienstleister Hutchison will die Gebühr hingegen nicht von seinen ausscheidenden, sondern von seinen neuen Kunden verlangen.

Hintergrund

Nach mehrjähriger Verzögerung wird mit der so genannten Rufnummer-Portierung bei einem Anbieterwechsel im Mobilfunk das nachvollzogen, was im Festnetz seit langem Stand der Technik ist. Unabhängig vom Dienstleister oder Netzbetreiber bleibt die Festnetz-Nummer des Endkunden gleich, sofern nicht das Ortsnetz gewechselt wird. Im Mobilfunk soll dieser Kundenservice erstmals zum 1. November eingeführt werden.

Mit der Thematik vertraute Branchenexperten bezweifelten bereits, dass die von D2 Vodafone geplante Wechselgebühr rechtlich zulässig ist. "Laut Telekommunikationsgesetz dürfen nur die Kosten in Rechnung gestellt werden, die tatsächlich einmalig beim Wechsel des Kunden anfallen", hieß es in den Kreisen. (APA/Reuters)

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