"Eine Quotenfrau bin ich mit Sicherheit nicht"

23. September 2002, 10:58
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Die Ortschefin von "Schurschldorf" und die Mattersburger Bürgermeisterinnen-Wahl

Mattersburg - Wer Ingrid Salomon darauf anspricht, dass sie eine Frau ist und - quasi trotzdem - Bürgermeister von Mattersburg, der muss sich darauf einstellen, dass sie kurz ihre Nettigkeit abstreift und klarstellt: "Eine Quotenfrau bin ich mit Sicherheit nicht." Wäre wohl, meint sie, auch der falsche Posten dafür. Gerade als Bürgermeisterin muss sie - auch wieder quasi - ihren Mann stellen, auch die Frau Bürgermeister werde schließlich daran gemessen, was sie tut, und kaum daran, wie sie sich darstellt.

Fünf Ortschefinnen im Bezirk

Ingrid Salomon, die Bürgermeisterin von Mattersburg, ist eine von fünf Ortschefinnen im Bezirk, der damit "quotenmäßig" das Burgenland anführt. Alle fünf sind von der SPÖ, die vor zwei Jahren beinahe halsstarrig ohne Spitzenfrau in die Landtagswahl gezogen ist. "Alle fünf", sagt sie, "sind auf einem Kampfmandat gesessen." Aber das habe sich geändert. Für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl am 6. Oktober ist sie nicht nur für sich selbst zuversichtlich. Seit 1999 amtiert sie. In einem, wie es auf Landesebene kokett heißt, "freien Spiel der Kräfte". Ihren elf Parteifreunden stehen im Gemeinderat zwölf schwarze und zwei blaue Mandatare gegenüber. Da erfordert es einiges bürgermeisterliches Geschick, Mehrheiten zu finden.

In den letzten Jahren, darauf ist die Bürgermeisterin besonders stolz, ist die Stadt gewachsen. Laut Volkszählung leben nunmehr 6256 Menschen in Mattersburg (gegenüber 5776 im Jahr 1991). Und sie wird nun auch von den Umlandgemeinden als Bezirkshauptstadt akzeptiert. Kaum einer der Nachbarn sagt noch "Schurschldorf", ein einstmals sehr gängiger Spottname.

Das liegt, sagt Ingrid Salomon, nicht wirklich an ihr und ihrer Amtsführung. Wohl aber daran, wo sie alle zwei Wochen als Ehrengast begrüßt wird. "Die Fußballer haben das Image der Schurschln korrigiert." Und locken Heimspiel für Heimspiel doppelt so viele Menschen nach Schurschldorf, wie dort wohnen. (wei, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.9. 2002)

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