Gysi attackiert PDS-Führung

24. September 2002, 10:07
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Im Osten "Emotionalität" vermisst

Hamburg - Der einstige PDS-Spitzenpolitiker Gregor Gysi hat die eigene Parteiführung für die schwere Wahlniederlage verantwortlich gemacht. "Die Parteiführung vertrat zu sehr sich selbst, sie kämpfte zu wenig nach innen und nach außen und war nicht ausreichend emotional", schreibt Gysi in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Beitrag für das Magazin "Stern". "Wer gerade im Osten die Emotionalität vermissen lässt, verliert dort auch an Stimmen", schreibt der einstige Spitzenkandidat der Partei.

Gysi, der vor der Wahl sein Amt als Berliner Wirtschaftssenator niedergelegt hatte, forderte ein moderneres Parteiprogramm. Der Parteiführung habe bisher der Mut dazu gefehlt, ein solches gegen die Konservativen in der PDS durchzusetzen. Während früher "Kraftproben mit Rückwärtsgewandten in der Partei gewagt wurden, wurden solche in letzter Zeit eher gescheut". Die PDS brauche eine "Neubesinnung, keine Rückbesinnung". Letztere würde dazu führen, die PDS zu einer "bedeutungslosen Sekte verkümmern" zu lassen.

Die PDS hatte in der Bundestagswahl am Sonntag mit vier Prozent Stimmenanteil den Wiedereinzug ins Parlament verpasst. Lediglich zwei Berliner Kandidatinnen errangen ein Direktmandat und werden als fraktionslose Abgeordnete im Bundestag vertreten sein. Am Montag hatte Gysi auch seinen eigenen Abgang als Wirtschaftssenator für den Wahlausgang mitverantwortlich gemacht. (APA/AP)

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