Französische Truppen rücken in den Norden Cote d'Ivoires vor

23. September 2002, 08:15
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Neue Schießereien in Rebellenstützpunkt Bouake - UNHCR besorgt über bedrohte Flüchtlinge

Abidjan - Nach der Verstärkung der französischen Truppen in Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) sind Soldaten der ehemaligen Kolonialmacht in die von Rebellen gehaltenen Gebiete im Norden vorgerückt. Am späten Sonntagabend bewegte sich ein Konvoy aus Abidjan auf die Stadt Bouake zu, die sich weiterhin in der Hand der am vergangenen Donnerstag zurückgeschlagenen Putschisten befindet. Ein französischer Militärsprecher erklärte, es gehe darum, Landsleute und andere westliche Bürger in der Region zu schützen.

In Bouake kam es in der Nacht zum Montag abermals zu Schießereien, die jedoch nach einer halben Stunde abflauten. Die Lage in der muslimischen Stadt blieb gespannt, nachdem sich die Bevölkerung zunehmend auf die Seite der gescheiterten Putschisten gestellt hatte. Tausende Menschen protestierten gegen die Regierung von Präsident Laurent Gbagbo und jubelten den Aufständischen zu. Gbagbo wird vor allem vom weitgehend christlichen Süden und Westen des Landes unterstützt.

Nach französischen Angaben galt es, in Bouake auch rund 100 amerikanische Schulkinder im Alter bis zu zwölf Jahren zu schützen. Die Söhne und Töchter von Missionaren in ganz West Afrika besuchen dort ein Internat. Die Regierung der Elfenbeinküste betonte unterdessen, sie habe Frankreich nicht um Hilfe bei der Niederschlagung der Aufständischen gebeten. Frankreich hatte am Wochenende seine Truppe in dem westafrikanischen Land von rund 560 um weitere 100 Soldaten sowie mehrere Hubschrauber verstärkt.

"Jagd auf Ausländer in Abidjan begonnen"

Hunderte von Flüchtlingen sind infolge der schweren Unruhen durch eine seit vergangenem Donnerstag andauernde Soldatenrebellion im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste bedroht. "Die Situation ist sehr Besorgnis erregend und traurig", sagte ein Sprecher des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Etwa 1500 Flüchtlinge aus Sierra Leone und Liberia sowie Zuwanderer aus Burkina Faso und Mali seien am Wochenende aus ihren Unterkünften vertrieben worden.

Die Jagd auf Ausländer hatte in der Regierungsstadt Abidjan begonnen, nachdem Mitglieder der Regierung von Präsident Laurent Gbagbo ein Nachbarland als Unterstützer der Aufrührer vermutet hatten. Sicherheitskräfte stürmten daraufhin die Viertel der Zuwanderer und zerstörten Hunderte von Wohnstätten.

"Wir können nicht jedem helfen, dessen Haus niedergebrannt wurde", sagte der UNHCR-Sprecher in Abidjan. Er appellierte an Hilfsorganisationen und Kirchen, den verjagten Menschen zu helfen. Angesichts der nächtlichen Ausgangssperre brauchten sie dringend Schutz und vor allem ein Dach über dem Kopf. Tausende von Flüchtlingen aus den Bürgerkriegsländern Liberia und Sierra Leone haben sich in das einst stabilste Land Westafrikas gerettet. Die Zuwanderer aus Burkina Faso und Mali wiederum arbeiten dort meist auf den Kakaoplantagen. (APA)

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UNHCR

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