"Nur weißer Fleck auf der Landkarte"

22. September 2002, 23:10
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Für Volker Schlöndorff erinnert das deutsche Kino an die 50er-Jahre

San Sebastian - Das 50. Internationale Filmfestival in San Sebastian hat nach Ansicht des Regisseurs Volker Schlöndorff die untergeordnete Bedeutung des deutschen Films in Europa bestätigt. "Deutschland ist nur noch ein weißer Fleck auf der filmischen Landkarte", sagte der 63-jährige Filmemacher am Sonntag in einem dpa-Gespräch in der nordspanischen Küstenstadt. "Kleinere Länder wie Dänemark, Finnland oder Argentinien zeigen eine starke Präsenz. Dagegen ist der Wirtschaftsriese Deutschland praktisch abwesend."

"Im Ausland wird der deutsche Film immer noch mit mir und mit Wim Wenders identifiziert", stellte Schlöndorff fest. "Dabei wollen wir der neuen Generation von Filmemachern nicht im Weg stehen. Aber der neue deutsche Film wird international nicht wahrgenommen." Ein Grund sei, dass die neueren Streifen sich nicht mit dem Leben und der Wirklichkeit in Deutschland befassten. "Die Filme trennen sich von der Wirklichkeit. Das erinnert mich an das Kino der 50er Jahre."

Schlöndorff wurde beim bis 28. September laufenden Festival mit einer Retrospektive geehrt. Er forderte die künftige Bundesregierung auf, mehr für die Förderung des deutschen Film zu tun. Dazu müssten Teile der Gelder, die jetzt für den Import von Hollywood-Streifen ausgegeben werden, in heimische Produktionen gesteckt werden. "Deutschland gibt pro Jahr zwei Milliarden Euro in Hollywood aus und ist dort der größte Einkäufer." Der deutsche Medien-Erlass müsse so korrigiert werden, dass ein Teil dieses "enormen Kapitalflusses" umgeleitet werde. (APA/dpa)

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