Prominente deutsche Politiker verloren Rennen um Direktmandate

23. September 2002, 14:35
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Nur fünf von zwölf Ministern erfolgreich - Innenminister Schily und Arbeitsminister Riester unterlagen in ihren Wahlkreisen

Berlin - Bei der Neuwahl des Deutschen Bundestags sind zahlreiche prominente Politiker bei der Direktwahl in ihren Wahlkreisen gescheitert. Bei der rot-grünen Koalition gewannen nur fünf von zwölf kandidierenden Ministern ein Direkt-Mandat.

Die spektakulärste Niederlage erlitt SPD-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin. Nach ihrem angeblichen Vergleich des US-Präsidenten George W. Bush mit Hitler in der Schlussphase des Wahlkampfs verlor sie ihren süddeutschen Wahlkreis Tübingen an ihre CDU-Kontrahentin.

Dagegen ist SPD-Familienministerin Christine Bergmann nicht mehr im neuen Bundestag. Sie verlor in Ost-Berlin gegen die PDS-Kandidatin Petra Pau. Weil die SPD neun Berliner Wahlkreise direkt gewann, kommt die Ministerin auch nicht über die Landesliste in den Bundestag.

Direkt-Mandate gewannen bei der SPD Verteidigungsminister Peter Struck, Verkehrsminister Kurt Bodewig, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Forschungsministerin Edelgard Bulmahn. Finanzminister Hans Eichel und der parteilose Wirtschaftsminister Werner Müller traten nicht an.

Wie vor vier Jahren unterlagen Innenminister Otto Schily und Arbeitsminister Walter Riester in ihren Wahlkreisen München-Land beziehungsweise Göttingen bei Stuttgart. Beide schnitten schlechter ab als 1998, kommen aber über die Landeslisten in den Bundestag.

Von den Grünen-Ministern errang wie 1998 keiner ein Direktmandat. Außenminister Joschka Fischer steigerte sich in Frankfurt zwar auf 20,4 Prozent der Erststimmen. Der Wahlkreis fiel aber an die SPD.

Verbraucherschutzministerin Renate Künast erreichte in ihrem Berliner Wahlkreis 20 Prozent der Erstimmen. Das Mandat ging aber an die SPD. Umweltminister Jürgen Trittin verlor in Göttingen.

Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping verlor seinen Wahlkreis Montabaur. Der rheinland-pfälzische SPD-Spitzenkandidat bekam dort 38,5 Prozent der Erststimmen. Der Wahlkreis fiel an die CDU.

Der bei der Union im Falle eines Wahlsiegs als Wirtschafts- und Arbeitsminister vorgesehene Jenoptik-Chef Lothar Späth nimmt dagegen sein gewonnenes Bundestags-Mandat nicht an. Nach eigenen Angaben hatte er schon vor der Wahl klargestellt, dass er das Mandat nur annehmen würde, wenn er eine Aufgabe in der Bundesregierung übernehmen sollte. Späth bleibt nach eigenen Angaben Jenoptik-Vorstandsvorsitzender.(APA/dpa)

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