Westerwelle scheiterte als "temperamentvoller Tempo-Macher"

22. September 2002, 23:59
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Ehrgeiziges Wahlziel 18 Prozent weit verfehlt - FDP wird doch nicht "Kanzlermacher"

Berlin - Der Vorsitzende der deutschen Liberalen, Guido Westerwelle, hat sich gerne als "temperamentvollen Tempo-Macher" gesehen. Wer seine FDP als "Spaßpartei" rügte, hatte nach seiner Ansicht das Denken einer neuen Generation nicht verstanden. Doch jetzt ist der 40-Jährige mit seiner Strategie gescheitert. Mit ihrem schwachen Abschneiden deutliche hinter den Grünen ist die FDP in ihrer Wunsch-Rolle als "Kanzlermacher" geschwächt. Und die Frage ist gegenstandslos, welches Ressort Westerwelle in einer Koalitionsregierung übernehmen würde.

Dabei hatte die FDP ihn selbstbewusst zu ihrem Kanzlerkandidaten ernannt und das Wahlziel 18 Prozent ausgegeben. Westerwelle hatte immer bestritten, dass dies nur PR-Gags seien. Für ihn war dies Ausdruck des Ziels, dass die FDP neues Gewicht anstrebt. Am liebsten wollte er mit der SPD und mit den Unions-Parteien verhandeln.

Westerwelle sah sich als Realist. "Nur eine starke FDP garantiert den Politikwechsel", hieß seine Devise. Er hatte gehofft, die Grünen vom dritten Platz zu verdrängen und eine Regierungsbildung ohne die FDP unmöglich zu machen.

Westerwelle hatte in seinem ersten Jahr an der Parteispitze durchaus Erfolge erzielt: "Wir haben seit meiner Amtsübernahme alle Landtags- und Kommunalwahlen gewonnen." Auch dabei hatte es der FDP und Westerwelle nie an demonstrativ gezeigtem Ehrgeiz gefehlt.

In der FDP hatte Westerwelle rasch Karriere gemacht. 1994 wurde er Generalsekretär, 1996 Bundestagsabgeordneter. Nach der Wahlniederlage von FDP und Union 1998 steuerte er die Partei auf einen unabhängigen Oppositionskurs. Nach langen internen Auseinandersetzungen um den glücklosen Parteichef Wolfgang Gerhardt wurde er dessen Nachfolger. (APA/dpa)

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    Die FDP macht statt 18 Prozent nicht einmal acht. Für Westerwelle ist Möllemann schuld.

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