Politologe: Große Koalition näher gerückt

22. September 2002, 19:53
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Regieren mit knapper Mehrheit wäre "extrem anstrengend"

Berlin - Eine Große Koalition zwischen SPD und Union ist nach Ansicht des Berliner Politologen Nils Diederich nicht ausgeschlossen. Angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens in den Hochrechnungen zwischen rot-grün und schwarz-gelb sagte Diederich am Sonntagabend, die Möglichkeit einer großen Koalition sei wieder näher gerückt, als es in den letzten Wochen erschienen sei.

Zwar könne auch mit einer äußerst knappen Mehrheit im Bundestag regiert werden, es sei aber "extrem anstrengend", sagte Diederich. Eine Große Koalition hat nach seiner Ansicht dagegen die Chance, große Aufgaben und Reformprojekte zu verwirklichen und dann wieder auseinander zu gehen.

Joschka-Bonus

Das voraussichtlich gute Abschneiden der Grünen führte der Experte zum einen auf die Person Joschka Fischer zurück. Viele Wähler wollten den Spitzenkandidaten der Grünen als Außenminister behalten. Daneben gebe es aber auch Wähler, die sich über die SPD geärgert und deshalb Grün gewählt hätten.

Das schlechte Abschneiden der FDP lag nach Ansicht Diederichs weniger an der jüngsten Schlagzeilen über den Parteivize Jürgen Möllemann. Vielmehr sei die Wahlkampfkampagne der FDP nicht glaubwürdig gewesen. Ihr Spaßwahlkampf sei von den Wählern nicht angenommen worden.

Diederichs äußerte die Vermutung, dass es erhebliche Wählerwanderungen gegeben hat. So seien offenbar viele ehemalige PDS-Wähler zur SPD gegangen. (APA/AP)

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