Mit Geldmarktfonds die Krise aussitzen

25. September 2002, 15:38
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Börsen-Baisse lässt Anteil der Geldmarktfonds am gesamten Fondsvolumen sprungartig ansteigen

Wien - In den ersten acht Monaten wuchs das Geldmarktfondsvermögen um 1,1 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon dürfte aus Umschichtungen stammen. Die Überlegungen, die dahinter stehen, sind klar: zum einen die Sicherheit, die solche Fonds bieten. Zum anderen das derzeit niedrige Zinsniveau am Anleihenmarkt. Das ist in den Kurssteigerungen der älteren Anleihen und damit der klassischen Rentenfonds bereits enthalten.

Gute Zwischenlösung

Geht der Zinstrend wieder nach oben, was viele Ökonomen für 2003 vorhersagen, sinken die Anleihekurse wieder. Und zwar vor allem bei Anleihen mit mittlerer oder längerer Laufzeit. Wer da nicht verlieren möchte, sucht sich eine Überbrückung. Das könnten Sparkonten sein, deren Verzinsung aber in den vergangenen Wochen von einigen Banken bereits zurückgenommen wurden.

Mehr Rendite versprechen die geldmarktnahen Rentenfonds. Darunter versteht man Investmentfonds, die in Anleihen erstklassiger Schuldner mit kurzer Duration oder in Festgeld anlegen. Solche Fonds eignen sich sehr gut für eine kurz- bis mittelfristige Veranlagung. Duration ist eine Risikokennzahl zur Beurteilung der Zinsempfindlichkeit von Anleihen. Sie entspricht der durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer des eingesetzten Kapitals.

Bei Anleihen mit variabler Verzinsung ist die Duration die Zeitspanne bis zur nächsten Zins-Festsetzung, während die Restlaufzeit bis zur Tilgung der Anleihe wesentlich länger sein kann. Je höher die Duration, desto volatiler bewegt sich die Anleihe. Die kurze Duration bewirkt, dass die Kursschwankungen nur mehr sehr gering ausfallen, weil entweder die Zinsanpassung oder die Anleihetilgung zum Nennwert bevorsteht.

Anlagestrategien unterschiedlich

Die Anlagestrategien der geldmarktnahen Fonds sind unterschiedlich. Isolde Lindorfer, Managerin des Capital Invest Euro Cash, investiert 70 Prozent des Fondsvermögens in variabel verzinste Anleihen von Banken und Unternehmen. "Die weisen einen hohen Spread (Renditeunterschied) gegenüber LIBOR (Zwischenbankverzinsung) auf." Kurzfristig kann sich das zwar in einer etwas schwächeren Rendite auswirken, wie in den vergangenen zwölf Monaten. Da erwirtschaftete der Capital Invest Euro Liquid, der in erstklassigen AAA-Schuldnern veranlagt, 3,51 Prozent Performance gegenüber 3,15 Prozent des Euro Cash. "Längerfristig erzielen wir mit Euro Cash eine höhere Rendite."

Beim Raiffeisen-Euro-Liquid geht Manager Christian Leinweber einen etwas anderen Weg: "Die eingeschlagene Richtung mit der Duration von ca. 2,15 Jahren wird aufgrund der Einschätzung, dass es heuer keine Zinserhöhungen gibt, beibehalten." Seine Performance über die vergangenen zwölf Monate: immerhin 4,48 Prozent. Für den Fondskäufer liegt der Vorteil darin, dass er sich nicht laufend um Wiederveranlagung und Zinstrends kümmern muss und selbst bei kleineren Anlagebeträgen eine Verzinsung erzielt, die über der von Sparkonten liegt. Außerdem ist der Fonds jederzeit verkäuflich. Achten muss man aber auf die Aus- gabe-Aufschläge, die zwischen null und einem Prozent variieren. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Printausgabe 23.9.2002)

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    foto: photodisc
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