Terrorbekämpfung

22. September 2002, 21:31
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Die palästinensische Kritik an Arafat wird angesichts der Geschehnisse in Ramallah wieder einmal verstummen - von Gudrun Harrer

Immer wenn ein palästinensischer Selbstmordattentäter unbeteiligte israelische Zivilisten umbringt, gilt völlig gerechtfertigterweise Israel das Mitleid und die Solidarität der zivilisierten Welt - was auch das Verständnis dafür einschließt, dass Israel alles Nötige unternehmen muss, um seine Menschen zu schützen. Die Bilder aus Ramallah vom Wochenende sprechen jedoch - wieder einmal - eine andere Sprache als die der Terrorbekämpfung. Symbol dafür ist - wieder einmal - das Aufpflanzen der israelischen Flagge anstelle der palästinensischen auf einem Gebäude der palästinensischen Autonomiebehörde.

In das Bild gehört auch, dass - wieder einmal - das Palästinenserbüro in Ostjerusalem geschlossen wurde. Niemand würde zwar behaupten, dass Sari Nusseibeh, der palästinensische Vertreter im von Israel annektierten Stadtteil, etwas mit den Selbstmordanschlägen zu tun hätte. Aber es ist eben eine gute Gelegenheit für die israelischen Behörden, ausgerechnet einen Mann zu schikanieren, der soeben wieder mit einem Friedensplan aufgetreten ist, der einen De-facto-Verzicht auf das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge aus den Nachbarstaaten vorsieht.

Dass die Palästinenser trotz Ausgangssperre in der Nacht auf die Straßen gegangen sind, um für Yassir Arafat zu demonstrieren, entbehrte - hätte es dabei nicht Tote gegeben - nicht einer gewissen Komik: Mit seinem auch in Teilen der israelischen Presse als unverhältnismäßig bezeichneten Angriff auf den Amtssitz ist Israel dem Palästinenserführer, der in seiner eigenen Gesellschaft erstmals laut hinterfragt wird, zu Hilfe geeilt. Angesichts dessen, was in Ramallah passiert, wird diese Kritik an Arafat erst einmal wieder verstummen. Auch der Gewaltverzicht der Fatah dürfte wieder hinfällig sein. Wenn das Terrorbekämpfung sein soll, dann wird noch einiges auf die Region zukommen. (DERSTANDARD, Printausgabe, 23.9.2002)

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