Einsparungswut beim Grazer Kunsthaus

22. September 2002, 21:58
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Kulturhauptstadt 2003: Die Medienplattform wird nicht realisiert

Graz - Die Tafel vor dem künftigen Kunsthaus, dessen Betongerippe bereits steht, kündet noch von der Medienplattform, die Teil des Gebäudes sein werde. Und die Homepage der Kulturhauptstadt Graz 2003 informiert ausführlich über das Projekt: Die Plattform (500 Quadratmeter) sei "eine Ausstellungs-, Aufführungs-und Produktionsfläche" im Kunsthaus, "eine Vernetzung der Grazer Ressourcen im Bereich von Brainpower, Hardware und der Infrastrukturen der Kunstszene".

Doch dieses Zentrum, konzipiert vom Medienkünstler und dreifachen Biennale-Venedig-Teilnehmer Richard Kriesche im Auftrag der Stadt Graz, ist nichts als ein Potemkinsches Dorf: Es wird nie existieren. Weil das Geld (knapp 2,2 Mio. Euro) fehlt. Was man schon seit Monaten weiß - aber zu kommunizieren nicht für nötig erachtete.

Ex-Kulturstadtrat Helmut Strobl, der aus gesundheitlichen Gründen auch den Vorsitz der Kunsthaus AG niederlegte, nimmt auf Anfrage des STANDARD eine "Mitschuld" auf sich: Da die Errichtungskosten streng "gedeckelt" sind (bewilligt wurden 43,6 Millionen Euro), die gekrümmte Haut der "blauen Blase" aber nur sehr aufwändig zu realisieren ist, habe man sich entschieden, auf die Medienplattform zu verzichten. Auch wenn der Schritt "unangenehm" gewesen sei.

Peter Pakesch, der als designierter Direktor des Landesmuseums Joanneums und des Kunsthauses auch Chef der Plattform gewesen wäre, meint, dass "die 500 Quadratmeter immer nur eine Ziffer geblieben" seien. Zudem habe das Konzept bloß aus "einer Geräte-Einkaufsliste" bestanden. Von einer Absage könne daher nicht gesprochen werden; er, Pakesch, halte Medienarbeit für wichtig.

Ihm widersprechen Graz-2003-Intendant Wolfgang Lorenz und Kriesche entschieden. Denn die Plattform sei von Anfang an ein Grundpfeiler des Kunsthauses gewesen (wie die Camera Austria). Um mit den großen Medieninstitutionen wie dem ZKM Karlsruhe, V2 in Rotterdam oder ICC in Tokio interagieren zu können, sei eben eine gewisse Ausstattung vonnöten. Vorgesehen war einst eine Investitionssumme von drei Millionen Euro; den Betrag von 2,2 Millionen noch einmal zu reduzieren (auf ein kleines Medienlabor) sei unsinnig.

Für den Auftakt im Herbst 2003 hatte Lorenz 726.000 Euro, die nun in andere Medienprojekte flossen, zur Verfügung gestellt. Er ist bitter enttäuscht: "Ich habe mich vehement dafür eingesetzt - und bin gescheitert." Kriesche zerknirscht: "Das bedeutet: Graz unplugged." Weiterhin. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2002)

Von Thomas Trenkler

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graz03.at
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