Eine Heimat für Fußballer und Fliegen

22. September 2002, 21:41
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Wiens Raumplanung und Stronachs Austria-Stadion-Pläne könnten einander ergänzen

Wien - Frank Stronach, der nach dem 5:1 der Austria über Schachtjor Donezk zufrieden gewesen sein soll, will bekanntlich das unter jeder Achsel zwackende Horr-Stadion verlassen. Magna-Kommunikator und Austria-Vizepräsident Andreas Rudas: "Die UEFA wird demnächst eine Regel erlassen, wonach Europacup-Spiele dort auszutragen sind, wo ein Verein die Meisterschaft spielt. Und im Happel-Stadion wollen wir nicht dauernd spielen."

Also sah man sich um und entdeckte das Wiener Hoffnungsgebiet in Rothneusiedl, wo zwischen der laut Stadtplanung bis spätestens 2012 verlängerten U 1 und der bereits in fester Planung befindlichen Südrandstraße S 1 (ehemals B301) ein Entwicklungsgebiet liegt, das fast nach einem Stadion mit SCS-Struktur schreit. Seit einigen Tagen liegen die von der Wiener Bürokratie zusammengetragenen Unterlagen in Stronachs Oberwaltersdorfer Büro, wo sich der Chef selber (Rudas: "Das entscheidet ausschließlich Frank Stronach allein") darüber beugt. Rudas: "Das Horr-Stadion ist eigentlich unzumutbar, allein von der Parkmöglichkeit her. Ich bewundere jeden, der dort zur Austria hinkommt."

Die Stadt steckte auch auf Initiative des Sportamtsleiters und Gruppenleiters Ferdinand Podkowicz zig Millionen Schilling in den Ausbau des Horr-Stadions am Verteilerkreis. Vergeblich? Podkowicz: "Im Gegenteil, wir hätten für den Grundstückseigner Wiener Verband eine ordentliche Heimstatt." Kurt Glotter, Gruppenleiter der MA 18 (Stadtplanung): "Ein Stadion war für Rothneusiedl bisher nicht angedacht, aber der Magistrat ist ja flexibel." Bisher sei die wichtigste Planungsabsicht gewesen, wie eine Stadtentwicklung hier mit dem bestehenden Grüngürtel vereinbart werde.

Glotter: "Wenn man hier landwirtschaftliche Flächen in Bauland umwidmet, dann muss man gleichzeitig Erholungsflächen für die Bevölkerung schaffen." Betriebe mit Bahnanschluss sind denkbar oder High-Tech-Betriebe mit Grünraum vor der Tür. Glotter: "Aber sicher kein riesiges Shopping Center."

Was keiner der Beamten sagt: Stronachs Idee, der Austria ein großes multifunktionales Stadion zu bauen, wurde nicht nur von Sportstadträtin Grete Laska begrüßt, es könnte sozusagen mehrere Wiener Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nicht nur dürfte Stronach überschlagsmäßig 100 Millionen Euro investieren, die Kommune wäre wohl nicht unglücklich, wenn der Kaufkraftabfluss in die SCS (NÖ) durch eine das Stadium umfließende Shopping City samt Hotel und Fun Park gemindert würde. Das Stadion würde sich rechnen, so Rudas, Wien würde wohl die U 1 früher als 2012 vom Reumannplatz aus verlängern. Wie man mit den zusätzlich zum Stadion erforderlichen überschlagsmäßigen 100 Millionen Euro verfährt, ob Firmen (Großmärkte? Hotelketten?) mitinvestieren oder sich einmieten, bleibt Verhandlungssache, wie die (an Private und die Stadt zu entrichtenden) Grundstücksablösen. (Roman Freihsl, Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, 23.09.2002)

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