EU wird bei Energie noch stärker abhängig

22. September 2002, 20:23
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IEA: Importbedarf verdoppelt sich bis 2030

Paris/Osaka - Der weltweite Energieverbrauch wird in den kommenden Jahrzehnten weltweit weiter dramatisch wachsen. In 30 Jahren werden zwei Drittel mehr an Energie konsumiert, der Schwerpunkt des Zuwachses wird durch Öl, Gas und Kohle abgedeckt werden. Zugleich steigt die Abhängigkeit der EU von den Exporteuren, auch weil die Produktion in der Union den Zenit schon überschritten hat.

"Die EU muss 2030 voraussichtlich doppelt so viel Energie importieren wie im Jahr 2000", sagte Robert Priddle, der Chef der Internationale Energie-Agentur (IEA), bei der Vorstellung des Weltenergieausblicks 2002. Derzeit werden 70 Prozent des EU-Ölverbrauchs und 40 Prozent des Gaskonsums von außerhalb der Union gedeckt. In Zukunft werde die Abhängigkeit von den großen Öl- und Gasproduzenten weiter ansteigen.
Besorgt äußerte sich Priddle über die Auswirkungen des steigenden Energiebedarfs auf die Umwelt. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid dürfte innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte um 70 Prozent zunehmen, warnte der IEA-Chef. Zusätzliche Energie fragten vor allem die Entwicklungsländer nach, die ihren Verbrauch an denjenigen der OECD-Industriestaaten anpassten. Neben dem Umweltschutz stellten die Stromversorgung der dritten Welt und die damit verbundenen gewaltigen Investitionen eine große Herausforderung dar.

Erdöl bleibt wichtigster Energieträger

Erdöl wird laut IEA auch in Zukunft mit Abstand wichtigster Energieträger bleiben. Die Ölnachfrage dürfte um jährlich 1,6 Prozent zunehmen und von täglich 75 Mio. Fass (je 159 Liter) im Jahr 2000 auf 120 Mio. Fass im Jahr 2030 steigen. Spätestens am Ende dieses Jahrzehnts werde Erdgas Kohle als zweitwichtigste Energiequelle verdrängen. Obwohl erneuerbare Energien (Wind, Sonne und Biomasse) relativ am stärksten wachsen würden, dürfte ihr Anteil am Gesamtenergiemix nur von zwei auf vier Prozent steigen.

Sehr reserviert

Die IEA plant laut Priddle keine Freigabe der Notfall-Ölreserven, falls in einem Krieg mit dem Irak lediglich die irakischen Exporte ausfallen sollten. Man werde auch keine Reserven zum Ausgleich gegen Ölpreisspekulation freigeben. Zuvor müsste es klare Beweise eines drohenden Versorgungsengpasses geben.

Zugleich nannte Priddle Pläne der EU-Kommission, dass die Länder der Union ihre strategischen Erdöl- und Gasreserven aufstocken sollen, um so Einfluss auf die Preise zu bekommen, "absurd".

Jene 26 Industrieländer, die IEA-Mitglieder sind, haben sich verpflichtet, zur Sicherung der Versorgung eine Ölbevorratung anzulegen, die dem Bedarf von 90 Tagen entspricht. Diese Lager sollen nicht für Preisregulierungen eingesetzt werden. Zuletzt war Öl aus der strategischen Reserve nach der Invasion des Irak in Kuwait im August 1990 freigegeben worden. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 23.9.2002)

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IEA

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