"Die Humankosten erscheinen zu hoch"

22. September 2002, 20:43
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Volksanwalt Ewald Stadler, Rädelsführer der Knittelfelder Rebellion ist zufrieden. Habe er sich doch personell wie inhaltlich durchgesetzt.

Standard: Sie haben nun Ihren Sonderparteitag. Sind Sie jetzt zufrieden?
Stadler: Mit Magda Bleckmann und Thomas Prinzhorn gibt es jetzt zwei stellvertretende Parteichefs, die für Knittelfeld unterschrieben haben. Damit werden auch inhaltlich die Anliegen der Knittelfelder umgesetzt.

STANDARD: Wird Jörg Haider wiederkommen?
Stadler: Die FPÖ muss auch lernen, mit einer Situation ohne Haider umzugehen. Schlecht wäre aber, die Linie Haiders zu verlassen - es wird die Haider-FPÖ bleiben. Früher oder später wird sich aber die Situation so entkrampfen, dass Haider zurückkehrt. Das könnte etwa nach Weihnachten sein. Rückblickend war der Kardinalfehler, dass er im Jahr 2000 als Obmann abgetreten ist. Er hat die Sanktionen falsch eingeschätzt.


STANDARD: Im Nachhinein, nach den Rücktritten und dem Koalitionsende, betrachtet: War Knittelfeld das wert?


Stadler: Ich habe nicht gewusst, wie sehr das Verhältnis zwischen Haider und den Regierungsmitgliedern belastet ist. In diesem Wissen würde ich vielleicht an der Vorgangsweise manches modifizieren. Aber inhaltlich haben wir unsere Ziele erreicht, auch wenn die Humankosten zu hoch erscheinen.

STANDARD: Auch wegen der Rücktritte gibt es Kritik an Ihnen. Werden Sie Funktionen zurücklegen?
Stadler: Ich denke nicht daran. Ich habe die niederösterreichische FPÖ wiederaufgebaut. Ich werde aber keine weiteren Funktionen übernehmen. Das könnte ich zwar als Volksanwalt de jure, ich will aber die Fernsehsendung nicht gefährden. (DERSTANDARD, Printausgabe, 23.9.2002)
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