"Jetzt geht es um die Abnabelung von Haider"

22. September 2002, 20:41
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Für Burgenlands FP-Chef Stefan Salzl ist "Oberwart 2002" eine ähnliche Zäsur für die FPÖ wie "Innsbruck 1986"

Standard: Sie haben in Ihrer Begrüßungsrede diesen außerordentlichen Parteitag mit jenem von Innsbruck 1986 verglichen. Was ist das Historische an Oberwart 2002?

Stefan Salzl: In Innsbruck hat Jörg Haider die Partei übernommen und sie in ungeahnte Höhen geführt. Jetzt geht es um die Abnabelung. Darum, zu beweisen, dass die FPÖ auch ohne Haider eine führende Rolle spielen kann.

STANDARD: Die Abnabelung war ein recht schmerzlicher Prozess. Ist der Riss zwischen den Fraktionen in Oberwart gekittet worden?

Salzl: Es hat keine Fraktionen in der FPÖ gegeben. Was es gegeben hat, das war ein Kommunikationsproblem. Die Basis hat mit dem Tempo der Regierungsarbeit einfach nicht mehr mitgekonnt. Hier sind gravierende Fehler passiert.


STANDARD: Die Burgenländer haben zuletzt die Rolle des Vermittlers gespielt. Werden Sie sich in Zukunft stärker in der Bundespartei engagieren?


Salzl: Der Karl Schnell aus Salzburg und ich haben immer wieder vor der Gefahr der Entfremdung zwischen Regierungsmannschaft und Basis hingewiesen. Und wahrscheinlich habe ich dann zu früh resigniert. Das wird in Zukunft anders sein. Ich werde darauf drängen, dass die Spitzenfunktionäre den Kontakt mit der Basis pflegen. Es kann nicht sein, dass ein Minister das Burgenland besucht, und ich weiß davon nichts. Ich bin ein friedliebender Mensch. Aber als mir der Betreffende - ich nenne keinen Namen - gesagt hat, was ich denn glaube, immerhin sei er doch ein Minister, habe ich das erste Mal in meinem Leben jemandem eine Ohrfeige angedroht. (DERSTANDARD, Printausgabe, 23.9.2002)

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