Petritsch rechnet mit Regierungsbeteiligung der SPÖ

24. September 2002, 10:19
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"Ich stehe für neue Qualität der österreichischen Außenpolitik" - Freistellung als Diplomat für Zeit des Wahlkampfs

Wien - Der Spitzendiplomat Wolfgang Petritsch rechnet damit, dass die SPÖ nach den kommenden Wahlen Regierungsveranwortung übernehmen wird - und er kann sich vorstellen, als Außenminister dieser Regierung anzugehören. "Ich stehe mit meinen internationalen Erfahrungen für eine neue Qualität der österreichischen Außenpolitik", versicherte Petritsch. Der ehemalige Pressesprecher Bruno Kreiskys soll Spitzenkandidat der Sozialdemokraten in Wien werden. "Man muss den Leuten klar machen, wie wichtig Außenpolitik ist", sagte Petritsch, der in diesem Zusammenhang vor allem auf die Bedeutung der bevorstehenden EU-Osterweiterung verwies.

Derzeit ist Petritsch österreichischer Botschafter bei den internationalen Organisationen in Genf. Er betonte, dass die Nominierung formell noch nicht erfolgt ist: "Das wird in den zuständigen Gremien noch besprochen." Seine Entscheidung, in die Politik zu wechseln, sei aber bereits gefallen. "Man kann nicht immer nur von der Seite her Ratschläge geben", so Petritsch.

"Historische Chance"

Er sehe die "historische Chance", dass Österreich eine Regierung bekomme, die internationales Ansehen genieße. "Da muss man jetzt mithelfen. Jetzt gilt es, alle Kräfte zu mobilisieren", sagte Petritsch. Für den Wahlkampf wird sich der Diplomat freistellen lassen: "Die Kandidatur soll nicht vermischt werden mit dem Amt, das ich ausübe. Ich strebe eine glasklare Trennung an."

Bis es so weit sein wird, wolle er sein Verpflichtungen in Genf voll ausfüllen: "Ich bin nicht bereit, hier Abstriche zu machen." Petritsch wird laut eigenen Angaben erst in der kommenden Woche nach Wien kommen. Der Zeitpunkt des Beginns seiner Freistellung ist noch offen.

Die Frage, ob er auch ein Mandat im Nationalrat annehmen wird, falls die SPÖ nicht in die Regierung kommt, stellt sich für Petritsch nicht - da er fix mit dem Regierungseintritt der SPÖ rechnet, wie er betonte. Um Wahlziele in Prozenten auszudrücken, sei es zu früh, da er noch nicht formell als Listenerster bestimmt worden sei. Er hoffe jedoch, das Resultat von 1999 zu übertreffen. Damals erreichte die SPÖ in Wien 37,8 Prozent.

Das schwarz-blaue Modell ist laut Petritsch "diskreditiert". Mit der FPÖ, so habe sich gezeigt, sei kein Staat zu machen. "Und zu glauben, dass es nun eine Nicht-Haider-FPÖ gebe, wäre eine gefährliche Illusion", so Petritsch. Mit Lob wurden hingegen die Grünen bedacht: "Dort gibt es ausgezeichnete Leute, die eine fortschrittliche Politik vertreten." Befragt über eine mögliche Zusammenarbeit, meinte Petritsch: "Das muss man sich nach der Wahl anschauen." (APA)

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    Der Diplomat Petritsch wird SP-Spitzenkandidat in Wien

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