"Generation Kohl" tritt ab

22. September 2002, 21:22
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Mit Helmut Kohl scheiden rund ein Dutzend frühere Minister aus der aktiven Politik aus

Für Altkanzler Helmut Kohl ist es der Abschied aus der aktiven Politik. Der 72-jährige CDU-Langzeitchef wird nach 26 Jahren dem neuen Bundestag nicht mehr angehören. Seine letzte Rede im Plenum hat er noch in Bonn im Juli 1999 gehalten - dann kam die Spendenaffäre. Mit Kohl schied rund ein Drittel der Abgeordneten aus, darunter ein Dutzend Exminister.

Außer Kohl räumten noch seine früheren Kabinettskollegen, die Unionspolitiker Theo Waigel (Finanzen), Norbert Blüm (Arbeit), Rudolf Seiters (Inneres), Rupert Scholz (Verteidigung), Carl-Dieter Spranger (Entwicklung), Hannelore Rönsch (Familie) und die beiden früheren Postminister Wolfgang Bötsch und Christian Schwarz-Schilling, ihren Platz im Parlament.

Mit der ehemaligen Bundestagspräsidentin und Familienministerin Rita Süssmuth und dem früheren Familienminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler nahmen auch zwei langjährige innerparteiliche Gegenspieler Kohls ihren Abschied. Auch Kohls letzter Vizekanzler und Außenminister, der Ex-FDP-Chef Klaus Kinkel, und die früheren liberalen Minister für Bau und Justiz, Irmgard Schwaetzer und Edzard Schmidt-Jortzig, kandidierten nicht mehr.

Bei den Grünen schieden einige Abgeordnete nicht freiwillig aus. Die als Gesundheitsministerin zurückgetretene Grünen-Politikerin Andrea Fischer erhielt keinen aussichtsreichen Listenplatz mehr und wird künftig als Moderatorin Politiker für die n-tv-Sendung in den "Grünen Salon" laden. Auch dem bekanntesten Vertreter des linken Flügels im Parlament, Hans-Christian Ströbele, dem Haushaltsexperten Oswald Metzger und der Wehrsprecherin Angelika Beer wurde ein sicherer Platz verweigert. Bei der SPD schieden rund ein Viertel der bisherigen Abgeordneten aus, darunter die frühere Familienministerin Anke Fuchs. Sie bleibt weiterhin Vorsitzende des deutschen Mieterbundes.

Auch Kohl zieht sich nicht völlig zurück, sondern wird weiterhin Vorträge halten und seine Memoiren weiterschreiben. Ex-Finanzminister Theo Waigel freut sich dagegen, mehr Zeit mit seinem siebenjährigen Sohn verbringen zu können.


Abgesicherte Minister

Die SPD- und Grünen-Minister aus Schröders Kabinett kandidierten alle als Abgeordnete wieder - sicher ist sicher. Auf jeden Fall werden in den Bundestag weniger Abgeordnete als bisher einziehen, weil die Zahl der Wahlkreise um 29 reduziert wurde und damit nur noch 598 statt 656 Parlamentarier fix im Bundestag sitzen. Zuzüglich gibt es Überhangmandate, die entstehen, wenn eine Partei mehr Direktmandate gewinnt, als ihr nach den Zweitstimmen zustehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.9.2002)

Mit Helmut Kohl scheiden rund ein Dutzend frühere Minister aus der aktiven Politik aus. Rund ein Drittel der Abgeordneten wird nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein. Ein Teil der "Polit-Promis" kehrt dem Parlament nicht freiwillig den Rücken.

von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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