Stoiber: "Rot-Grün hält nicht länger als ein Jahr"

23. September 2002, 09:39
41 Postings

Mit starkem Beifall in München empfangen - Wenige Stunden vorher sprach er davon, die Wahl gewonnen zu haben

München - Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber hat in der Nacht zu Montag indirekt seine Niederlage gegen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) eingeräumt. Es sei vielleicht "auch noch ein Stück Gerechtigkeit dabei, dass Schröder noch einige Monate erleben muss, was er alles angerichtet hat", sagte Stoiber vor CSU-Anhängern in München. "Sollten wir aufgrund des Ergebnisses nicht die Regierung stellen können, wird diese Regierung Schröder nur noch sehr kurze Zeit regieren können", sagte er weiter.

Mit frenetischem Beifall war Stoiber zuvor in München empfangen worden. Er war nach der Wahl aus Berlin zurückgekehrt. In der Hauptstadt hatte er sich am frühen Abend zum Wahlsieger erklärt. Zu diesem Zeitpunkt erschien ein Machtwechsel hin zu einer unions-geführten Regierung noch möglich. Nach und nach entglitt Stoiber in den folgenden Stunden aber seine Mehrheit.

Neue rot-grüne Regierung wird kein Jahr überleben

Stoiber geht davon aus, dass ein Neuauflage der rot-grünen Koalition nicht lange Bestand haben wird. Sollten SPD und Grüne aus der Bundestagswahl als Sieger hervorgehen, "versichere ich Ihnen, werde ich binnen Jahresfrist die Regierung neu bilden können", sagte Stoiber am Montagmorgen bei seiner Ankunft auf der CSU-Wahlparty in München.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) werde in einigen Monaten das erleben, was er selbst angerichtet habe. Schröder sei mit seiner Politik gescheitert, auch wenn es für Rot-Grün noch einmal reichen sollte. Bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und mit seiner Kritik an den USA sei der Kanzler endgültig gescheitert, sagte Stoiber unter großem Beifall. Stoiber sagte weiter, die CSU habe in den vergangenen Monaten die CDU nach ihrer Spendenaffäre stabilisiert und werde auch künftig zur Geschlossenheit der Union beitragen.

Bei der Bundestagswahl hat die rot-grüne Koalition bei Verlusten der SPD und Gewinnen der Grünen laut Hochrechnungen vom Sonntagabend eine knappe Mehrheit erzielt. Die Union verbesserte sich gegenüber der Bundestagswahl 1998 deutlich, doch der bevorzugte Koalitionspartner FDP blieb deutlich unter seinen Zielen.

Wenige Stunden vorher

Wenige Stunden zuvor hatte Stoiber CDU und CSU zum Wahlsieger erklärt: "Wir haben die Wahl gewonnen", verkündete er Sonntag Abend vor mehreren tausenden begeisterten Anhängern in Berlin. Dafür danke er der gesamten Union. "Im Besonderen danke ich Angela Merkel." Die Union habe keinen Wahlkampf geführt mit der Angst der Menschen. Darauf sei er stolz, sagte Stoiber.

Die Hochrechnungen der deutschen TV-Stationen zeichneten Sonntag Abend kein klares Bild. In den Hochrechnungen des ZDF kommt die bisherige rot-grüne Koalition von Bundeskanzler Gerhard Schröder auf eine hauchdünne Mehrheit im Bundestag. Der Sender ARD errechnete in seiner dritten Hochrechnung jedoch eine Mehrheit für eine Koalition aus CDU/CSU und FDP.

Merkel sieht Union als "Gewinner des Tages"

Die deutsche CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat CDU und CSU zu den "Gewinnern des Tages" erklärt. Die Union sei stärkste politische Kraft, "das ist für mich das Symbol: Wir sind wieder da, mit uns muss man rechnen", sagte Merkel Sonntag Abend. Eine Große Koalition lehnte sie entschieden ab. Dies sei "nicht das, was wir wollen". Die Alternativen lägen "klar auf dem Tisch".

Stoiber und Merkel: Wir wollen keine Große Koalition

Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) und CDU-Chefin Angela Merkel haben sich nach dem Wahlerfolg der Union bei der Bundestagswahl trotz zunächst unklarer Mehrheitsverhältnisse gegen eine Große Koalition ausgesprochen.

Stoiber sagte am Sonntagabend in der ARD: "Ich will keine Große Koalition, weil das Stillstand ist." Er sei der Überzeugung, dass es zu einer stabilen Konstellation aus CDU/CSU und der FDP kommen werde. Trotz der erneuten Debatten um den stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Jürgen Möllemann sei die FDP ein ernst zu nehmender Gesprächspartner. Merkel sagte im ZDF: "Große Koalitionen sind nicht das, was wir wollen." (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wenige Stunden vorher: "Wir haben die Wahl gewonnen"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Union zeigte sich siegessicher

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nun-doch-nicht-Kanzler Edmund Stoiber bei seiner Rückkehr nach München

Share if you care.