SPÖ kann als "Anti-FPÖ" punkten

12. Oktober 2002, 14:25
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Die Sozialdemokratie erringt ihre größte Zustimmung, wo sie sich als Alternative zu den Freiheitlichen darstellt - Als Schwäche wird das personelle Angebot gesehen - Mit Grafik

Linz - Auf eines können sich die Wahlkampfmanager der SPÖ vorläufig nicht verlassen: Dass die Wähler der Sozialdemokratie zuströmen würden, weil es etwa modern wäre, SPÖ zu wählen. Das sagen nämlich nur 23 Prozent der Österreicher, jüngere etwas mehr als ältere.

Aber darauf kommt es wahrscheinlich auch nicht an, sagt David Pfarrhofer vom Linzer marktet-Institut, das für den Standard 400 repräsentativ ausgewählte Österreicher befragt hat, welche Motive für die Wahl der SPÖ sprechen könnten: "Was zählt für die SPÖ, ist ihre Stärke in zwei Bereichen: Da ist einmal ihre Glaubwürdigkeit in der Vertretung von Arbeitnehmerinteressen, die ihr selbst von jedem zweiten deklarierten ÖVP-Anhänger attestiert wird. Der zweite Aspekt ist, dass sich die SPÖ als eine Art ,Anti-FPÖ’ etablieren konnte. Sogar deklarierte Grün-Wähler sagen, dass die SPÖ ,die stärkste Kraft gegen die FPÖ’ ist."

Die Grafik zeigt, wo die Stärken der SPÖ liegen: Sechs von zehn Österreichern honorieren die Ablehnung des Abfangjägerkaufs - also etwa gleich viele wie die SPÖ als Sozialpartei einstufen.

Deutlich weniger Befragte - 46 Prozent - würden sich mit dem Argument motivieren lassen, dass die SPÖ viele Maßnahmen der derzeitigen Regierung wieder zurücknehmen würde. Pfarrhofer: "Diese Erwartung wird zwar von rund zwei Dritteln der erklärten SPÖ-Anhänger gut geheißen - in anderen Bevölkerungsschichten stößt aber gerade diese Aussicht auf Zurückhaltung: Wir wissen ja aus früheren Umfragen, die wir für den Standard gemacht haben, dass drei Viertel der Österreicher sich wünschen, dass wesentliche Politikbereiche so weiterlaufen wie bisher. Da sagt man sich: Wir haben für das Nulldefizit Opfer gebracht, jetzt soll man nicht auch das noch gefährden."

Als größte Schwäche der SPÖ weist die market-Umfrage die Personalsituation aus: Nur 31 Prozent der Österreicher (allerdings fast zwei Drittel der SPÖ-Anhänger) sehen in Alfred Gusenbauer ein Motiv, das für eine Wahl der SPÖ spricht. der Standard ließ auch jene Argumente abfragen, die ausdrücklich gegen eine Wahl der SPÖ sprechen:

60 Prozent der Österreicher sagen, die SPÖ habe sie "in den letzten Jahren mit ihrer Politik enttäuscht". Dies sagen auch vier von zehn erklärten SPÖ-Anhängern.

57 Prozent sagen, die SPÖ habe "keinen geeigneten Kanzlerkandidaten" - ein Argument, das bei Wählern über 30 deutlich schwerer wiegt als bei Jungwählern.

54 Prozent erwarten, dass die SPÖ "zur alten Politik des Schuldenmachens zurückkehren" würde - ein Argument, gegen das sich nur die SPÖ-Anhängerschaft in hohem Maß immun erweist.

52 Prozent sagen, dass man bei der SPÖ nicht wisse, wer für Spitzenämter infrage komme (was sich nach Präsentation der Kandidaten vermutlich ändern wird).

Ebenfalls 52 Prozent sehen die SPÖ als "zu sehr von der Politik des Gewerkschaftsbundes abhängig". Diese Haltung findet sich vor allem in der höchsten Bildungsschicht.

51 Prozent vermuten, die SPÖ kritisiere nur, würde aber ähnlich regieren wie bisher.

42 Prozent halten die SPÖ für zu linkslastig und grün-nahe.

41 Prozent sehen die SPÖ-Politik als "nicht mehr zeitgemäß".

von Conrad Seidl

Infografik

Was für die SPÖ spricht

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die SP-Führung wird von vielen WählerInnen als Schwachstelle empfunden: v.l.n.r.: Bures, Gusenbauer, Kuntzl

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