Israels Armee kappt Wasser, Strom und Telefon für Arafat

22. September 2002, 14:56
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Palästinenser: Aufgeben wäre "politischer Selbstmord"

Ramallah - Die israelische Armee hat am Sonntagmorgen die Wasserversorgung des von ihr völlig zerstörten und belagerten Hauptquartiers von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat unterbrochen. Auch die Telefonleitungen und die Stromversorgung wurden gekappt. Ein Palästinenser-Vertreter meldete über Handy, die Klimaanlage in Arafats Räumen sei ausgefallen. Ein palästinensischer Spitzenfunktionär erklärte, Arafat werde der Forderung der israelischen Armee, 20 von ihr als "Terroristen" bezeichnete Palästinenser auszuliefern, "niemals" nachkommen. Das wäre "politischer Selbstmord".

"Ticket ohne Wiederkehr"

Israel will Arafat offenbar mit ihren Maßnahmen den Palästinenser-Präsidenten zur Ausreise ins Exil zwingen. Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Weizman Shiri sagte im Armeeradio, Arafat könne das Land verlassen. Israel würde ihm "ein Ticket ohne Wiederkehr auf würdige Art und Weise geben". Inzwischen forderten mehrere rechte israelische Politiker offen die Deportation Arafats, unter ihnen der frühere Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Der israelische Rundfunk berichtete, die Regierung in Jerusalem beabsichtige, die Lage für Arafat so unerträglich zu machen, dass er freiwillig ins Exil gehe.

Wie palästinensische Augenzeugen berichteten, begannen Räumkommandos der Armee außerdem mit der Zerstörung eines Teils des Gebäudes, in dem Arafat mit seinen 250 Beratern und Angehörigen seiner Sicherheitsdienste ausharrt. Nach israelischer Darstellung sollen in dem Gebäude 19 Palästinenser Zuflucht gesucht haben, die in den Terrorismus verstrickt seien. Der israelisch-arabische Abgeordnete Ahmed Tibi warnte inzwischen nach einem Gespräch mit Arafat, dass das Gebäude vom Einsturz bedroht sei. Die israelische Armee hat seit Freitag alle Gebäude im Regierungskomplex Arafats zerstört oder schwer beschädigt

Hamas ruft zu verstärktem Widerstand auf

Die islamistische Palästinenser-Organisation Hamas sicherte Arafat ihre Unterstützung zu und rief dazu auf, die Widerstandsaktionen gegen die israelische Besatzung zu verstärken. Arafats Belagerung durch die israelische Armee sei ein "terroristischer Akt des zionistischen Feindes" gegen das palästinensische Volk, sagte der Hamas-Führer Ismail Hanija in Gaza.

Über alle palästinensischen Städte im Westjordanland mit Ausnahme Bethlehems wurde am Morgen wieder eine strikte Ausgangssperre verhängt. Hier war es in den Nachtstunden zu blutigen Protesten gegen die Belagerung Arafats gekommen, bei denen nach palästinensischen Angaben vier Menschen von israelischen Soldaten erschossen wurden. Unter den Getöteten war auch ein palästinensischer Rundfunkjournalist. (APA/dpa)

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