Sizilien mit massiver Flüchtlingswelle konfrontiert

22. September 2002, 12:02
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Italienische Regierung leitet Verhandlungen mit Libyen zur Bekämpfung der Menschenschmuggler ein

Rom - Sizilien war in den letzten Monaten mit einem bisher beispiellosen Flüchtlingsschub konfrontiert. Nach Angaben des italienischen Innenministeriums vom Wochenende landeten im ersten Halbjahr 12.124 Menschen an den Küsten der Mittelmeerinsel, das sind um 10.000 mehr als im ersten Halbjahr 2001. 90 Prozent der Flüchtlinge erreichten die Mittelmeerinsel Lampedusa, die genau zwischen Sizilien und Tunesien liegt. Die Hauptroute der Schlepper hat sich nach Ansicht der Behörden von der Adria nach Südwesten verlagert.

Nachdem Albanien den Kampf gegen den Menschenschmuggel über die Adria drastisch verschärft hat, ist der enge Meeresarm zwischen Tunesien und Sizilien die verkehrsreichste Route, auf der Schieberbanden die Flüchtlinge über das Meer nach Italien schleusen. Bis vor einigen Monaten landeten die meisten illegalen Immigranten in Italien an den Küsten Apuliens und Kalabriens. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren es dort noch über 13.000 gewesen. Im ersten Halbjahr 2002 waren es nur 3.000. Das bedeute, dass die Kooperation mit Albanien bei der Bekämpfung der Schieberbanden positive Resultate bringt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Wochenende in Rom.

Überfüllte Aufnahmelager

Die Aufnahmelager Siziliens sind überfüllt. Die sizilianischen Behörden warnten sogar vor der Gefahr von Epidemien. Besonders problematisch ist die Lage in der sizilianischen Stadt Agrigent, die jenen 100 Menschen Unterkunft gegeben hat, die sich nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der sizilianischen Küsten vor einer Woche retten konnten. Bei dem Schiffsuntergang waren 37 westafrikanische Flüchtlinge ums Leben gekommen.

Inzwischen hat die Regierung in Rom Verhandlungen mit Libyen eingeleitet, um Unterstützung bei der Bekämpfung der Menschenschmuggler zu erhalten. Mehrere Flüchtlingsschiffe, die in den letzten Monaten Sizilien erreichten, waren von der libyschen Küste aus aufgebrochen. Das Außenministerium berief den libyschen Botschafter in Italien zu Gesprächen ein. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Polizei untersucht das bei Sizilien gesunkene Flüchtlingsschiff.

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