Ermittlung der Sitzverteilung im Deutschen Bundestag

22. September 2002, 11:46
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Berlin - Seit 1987 wird die Sitzverteilung im Deutschen Bundestag mit dem Hare-Niemeyer-Verfahren ermittelt. Es löste das bis dahin angewandte d'Hondtschen Höchstzahlverfahren ab, das in gewissem Umfang die größeren Parteien begünstigte.

Die Parteien, die mehr als fünf Prozent der Zweitstimmen bekommen haben, erhalten zunächst so viele Sitze, wie ihnen nach folgender Formel zustehen: Zweitstimmenzahl der Partei mal Gesamtzahl der Sitze geteilt durch Gesamtzahl der Zweitstimmen aller Parteien über fünf Prozent.

Beispiel: Bei der Bundestagswahl 1998 hatte die SPD 20.181.269 Zweitstimmen erhalten. Diese Zahl wurde mit der Zahl der Sitze im Bundestag (damals noch 656) multipliziert und durch die Zahl aller Zweitstimmen (46.408.690) geteilt: das Ergebnis war 285,268. Die SPD bekam 285 Sitze, die Stellen hinter dem Komma blieben erst einmal unbeachtet. Nach dem gleichen Verfahren kamen die CDU auf 197,963, die CSU auf 46,992, die FDP auf 43,550 die Grünen auf 46,669 und die PDS auf 35,557 Sitze. Damit waren 652 der 656 Sitze verteilt. Die vier restlichen Sitze gingen dann an die Parteien mit den höchsten Bruchstellen hinter dem Komma, also CSU, CDU, Grüne und PDS.

In der Fachliteratur wird das deutsche Wahlrecht als "personalisierte Verhältniswahl" beschrieben. In 299 Wahlkreisen werden die Mandate über die Erststimme direkt vergeben, allerdings auf das nach den Zweitstimmenanteilen der Parteien errechnete Kontingent angerechnet.

Bei der Sitzverteilung werden in einem zweiten Schritt die von einer Partei gewonnenen Sitze ebenfalls nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren auf deren einzelne Landeslisten verteilt. Stehen dann zum Beispiel der CDU in Baden-Württemberg 40 Mandate zu und sind 30 Kandidaten direkt in den Wahlkreisen gewählt worden, so gehen die restlichen zehn baden-württembergischen Mandate an die zehn höchst platzierten Kandidaten auf der Landesliste. Hat eine Partei aber in einem Land mehr Direktmandate gewonnen, als ihr nach dem Zweitstimmenanteil zustehen, behält sie diese als zusätzliche Überhangmandate. Im 14. Bundestag gab es 13 Überhangmandate, alle für die SPD. (APA/AP)

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