SPD erneut stärkste Fraktion im deutschen Bundestag

25. September 2002, 10:09
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Sowohl SPD als auch Union erreichen 38,5 Prozent - Niederlage für FDP und PDS - Vorläufiges amtliches Endergebnis bestätigt Mehrheit für Rot-Grün

Berlin - Bei der Neuwahl des deutschen Bundestags ist die rot-grüne Koalition von Bundeskanzler Gerhard Schröder knapp bestätigt worden. Der Wahlabend wurde allerdings zu einer in Deutschland nie da gewesenen Zitterpartie um Sieg oder Niederlage. Die oppositionelle Union wurde in den Hochrechnungen stundenlang als stärkste Fraktion genannt. Zunächst schienen sie und die FDP eine Regierungs-Mehrheit zu haben. Am späten Abend rückte dann Rot-Grün vor. Kurz nach Mitternacht war die SPD auch stärkste Fraktion.

Wahlverlierer sind die Freidemokraten und die Reformkommunisten. Die FDP landete entgegen den Umfragen hinter den Grünen abgeschlagen auf Platz vier. Die PDS scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung sank von 82,2 auf 79,1 Prozent.

SPD stärkste Fraktion

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis von Montag früh verlor die SPD leicht auf 38,5 Prozent. Damit lag sie mit 2,4 Prozentpunkten hinter dem Wahlergebnis von 1998. Die Union verbesserte sich deutlich auf ebenfalls 38,5 Prozent. Auch die Grünen stiegen deutlich auf 8,6 Prozent, die FDP verbesserte sich leicht auf 7,4 Prozent.

Durch so genannte Überhang-Mandate kommt die SPD auf 251 Sitze und bleibt damit auch stärkste Fraktion im neuen Bundestag. Die Grünen sind mit 55 Abgeordneten vertreten. Rot-Grün liegt mit 305 Sitzen um 4 über der absoluten Mehrheit.

FDP lag hinter den Erwartungen zurück

Für die Unions-Parteien erfüllte sich weder die Erwartung, stärkste Kraft im Bundestag zu werden, noch die Hoffnung auf eine Koalition mit der FDP. CDU und CSU stellen 248 Abgeordnete, die FDP als ihr potenzieller Koalitions-Partner verbesserte sich zwar um 1,2 Punkte auf 7,4 Prozent, blieb aber weit hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Die FDP verfügt über 47 Mandate.

Der bisherige CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz bestätigte am Morgen die Wahl-Niederlage. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer gab zu überlegen, ob die CDU-Vorsitzende Angela Merkel jetzt die Fraktionsführung übernehmen soll.

Keine 18 Prozent für FDP

Die FDP fiel noch weiter hinter die Grünen zurück als 1998. Vor der Wahl hatte die FDP ihr Ziel mit 18 Prozent beziffert und Parteichef Guido Westerwelle zum Kanzlerkandidaten gekürt. Am Wahlabend räumte Westerwelle die Niederlage ein. Die Partei sei weit hinter ihren Möglichkeiten geblieben. Das FDP-Präsidium forderte noch am Abend Partei-Vize Jürgen Möllemann zum Rücktritt auf. Seine anti-israelischen Attacken hätten der Partei geschadet.

PDS erringt zwei Direktmandate

Mit nur zwei direkt gewählten Abgeordneten werden die Reformkommunisten der PDS vertreten sein. Sie scheiterten mit 4,0 Prozent (minus 1,1) an der Fünf-Prozent-Hürde.

Andere Parteien weit abgeschlagen

Die anderen Parteien blieben weit abgeschlagen. Die Partei Rechtsstaatlicher Offensive von Ronald Schill kam auf 0,8 Prozent. Die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei (NPD) blieb bei 0,4 Prozent, die Republikaner lagen bei 0,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung war etwas geringer als vor vier Jahren.(APA/dpa/Reuters/AP)

Die Ergebnisse im Überblick

Das vorläufige Endergebnis

Hintergrund

Überhangmandate

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    Gerhard Schröder und Harald Ringstorff, der Gewinner der Landtagswahl von Mecklenburg-Vorpommern bei der ersten Parteivorstandssitzung der SPD

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