MobilCom: Noch keine Entscheidung über Zukunft von UMTS-Netz

22. September 2002, 14:11
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Sanierungsplan wird in den kommenden Tagen vorgelegt - vermutlich Abbau von 1600 Arbeitsplätzen

Frankfurt - Das deutsche Mobilfunkunternehmen MobilCom hat nach eigenen Angaben noch keinen Beschluss über die Zukunft seiner UMTS-Aktivitäten gefasst. "Es ist noch keine Entscheidung zum UMTS-Netz gefallen", sagte ein Mobilcom-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. Die "Welt am Sonntag" hatte in einem Vorausbericht unter Berufung auf Kreise berichtet, dass Mobilcom den Ausbau des eigenen UMTS-Netzes vorerst stoppen werde.

Demnach sei das Einfrieren des schnellen Multimedia-Mobilfunknetzes Bestandteil des Sanierungsplans, der in den kommenden Tagen vorgelegt werden soll, schreibt das Blatt weiter. Darüber hinaus sehe der Plan einen stärkeren Arbeitsplatzabbau als bisher angenommen vor. Nach Reuters-Informationen stehen bis zu 1600 Arbeitsplätze und damit jede dritte Stelle im Konzern zur Disposition. "Erst in der nächsten Woche wird über das UMTS-Netz und den Stellenabbau diskutiert", sagte indes der Mobilcom-Sprecher. In beiden Punkten gebe es bislang keinen Beschluss. Vorstand und Betriebsrat wollen sich am kommenden Freitag treffen, um über die Restrukturierung des Unternehmens zu beraten.

Rettungsbeihilfe

Mobilcom hatte in dieser Woche eine durch die Bundesregierung vermittelte Rettungsbeihilfe von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über 50 Millionen Euro ohne die erforderliche Genehmigung der EU-Kommission erhalten. Die Bundesregierung hatte die Finanzhilfen in Aussicht gestellt, um eine nach dem Rückzug der France Telecom drohende Insolvenz von Mobilcom mit ihren bundesweit über 5000 Beschäftigten abzuwenden. Für die erste Teilsumme über 50 Millionen Euro hatte der Bund angesichts der kurzfristigen Bewilligung eine Staatshaftung übernommen. Die weiteren Hilfsgelder sollen allerdings nur als banküblicher Kredit mit entsprechenden Sicherheiten begeben werden.

Nach bisheriger Aussage des Unternehmens soll das Gesamtpaket das Überleben von Mobilcom bis Anfang nächsten Jahres sichern. Bis dahin hofft man, mit Noch-Teilhaber France Telecom eine Lösung im Streit über dessen für den UMTS-Aufbau mit Mobilcom eingegangene Milliarden-Verpflichtung zu finden. Die durch den teuren Erwerb der UMTS-Lizenz sowie Lieferantenkredite für den Netzaufbau mit knapp 6,9 Milliarden Euro verschuldete Mobilcom hofft darauf, dass France Telecom die Kredite doch noch übernimmt und Mobilcom damit entschuldet wird. Sonst wäre eine Insolvenz unumgänglich.

Wie Reuters aus Kreisen des Aufsichtsrats erfahren hatte, sollen im Rahmen der Restrukturierung neben rund 800 Stellen im Providergeschäft voraussichtlich bis zu 800 Jobs im UMTS-Mobilfunkgeschäft abgebaut werden. Im Rahmen der Geschäftsneuordnung sollen den Angaben zufolge 110 bis 130 Millionen Euro eingespart werden. Der in dieser Woche vom Kontrollgremium abgesegnete Restrukturierungsplan von Vorstandschef Grenz sieht vor, dass Mobilcom im Kerngeschäft im Verlauf des ersten Halbjahres 2003 in die Gewinnzone zurückgeführt wird. Dagegen sieht Mobilcom für das im Aufbau befindliche UMTS-Geschäft nach dem Rückzug von France Telecom immer weniger Chancen und stellt sich auf den Abbau eines Großteils der 1000 Stellen in diesem Bereich ein. "UMTS kann de facto nicht weitergeführt werden, wenn kein Geld da ist", hieß es in Kreisen.

Hoffnung auf die gemeinsam von Mobilcom und France Telecom für rund 8,5 Milliarden Euro ersteigerte Betriebslizenz für den UMTS-Mobilfunk brauchen sich die Konkurrenten T-Mobile, D2 Vodafone, E-Plus und mmO2 nicht zu machen, da eine Veräußerung an einen der deutschen Lizenznehmer untersagt ist. Als unwahrscheinlich gilt auch, dass sich ein neuer Interessent für die Lizenz findet, da jeder Einstieg in das deutsche Mobilfunkgeschäft mit milliardenschweren Investitionen verbunden wäre. (APA/Reuters)

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