ETA bildete nach Polizeischlägen Führungsspitze um

21. September 2002, 17:29
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"Mobutu" neuer Anführer

Madrid - Die baskische Untergrundorganisation ETA hat ihre Führungsspitze unmittelbar nach den jüngsten Polizeischlägen neu organisiert. Neuer Anführer des militärischen Apparats und damit Chef der gefürchteten Terrorkommandos ist nach Informationen der Zeitung "El Mundo" (Samstagausgabe) jetzt Felix Alberto Lopez de la Calle alias "Mobutu". Der 42-Jährige, der nach der Verbüßung einer Haftstrafe in Frankreich seit Juli 2000 im Untergrund lebt, sei der Nachfolger von Juan Antonio Olarra Guridi (35) und dessen Lebensgefährtin Ainhoa Mugica Goni (32), die am vergangenen Montag bei Bordeaux festgenommen worden waren.

Chef des politischen Apparats sei nach wie vor der 41-jährige Mikel Albisu alias "Antza". Neu in der Führungs-Troika sei aber Jose María Zaldua Korta alias "Aitona" (Der Opa). Der 53-Jährige fungiere nun als Chef des logistischen Apparats. Er ist damit unter anderem für die Versorgung mit Waffen und Sprengstoff zuständig. Die Führer der ETA werden im Untergrund in Frankreich vermutet.

Nach Angaben der spanischen Regierung plante die Organisation als Rache für die jüngsten Festnahmen am Wochenende Anschläge in der Umgebung der baskischen Küstenstadt San Sebastian sowie in weiteren Städten, möglicherweise Madrid oder Valencia. Innenminister Angel Acebes sagte zur Festnahme von zwei weiteren mutmaßlichen Terroristen am Freitag bei Toulouse, die französische Polizei habe dabei Unterlagen mit konkreten Anschlagszielen sichergestellt.

"Mit der Festnahme sind ohne Zweifel Menschenleben gerettet worden." Bei den Verdächtigen, die ein "mobiles Terrorkommando" gebildet hätten, handele es sich um Andoni Otegi (37) und Oscar Zelarain (27). Sie seien bewaffnet gewesen und hätten gefälschte Ausweispapiere bei sich gehabt.

Nach dem Polizeischlag vom vergangenen Montag bei Bordeaux sind damit in Frankreich und Spanien sechs weitere mutmaßliche ETA- Terroristen gefasst worden. Insgesamt gingen den Fahndern in diesem Jahr 103 mutmaßliche Aktivisten der Organisation ins Netz.

Dennoch habe die ETA ihre Terrorkommandos in Madrid und der baskischen Provinz Vizcaya wieder aufbauen können, berichtete "El Mundo". In Andalusien in Südspanien und in der Region Navarra sei die Organisation ebenfalls erneut in der Lage, Anschläge zu verüben. Bei den Attentaten der ETA sind seit 1968 insgesamt 836 Menschen getötet worden, drei davon in diesem Jahr. Etwa 2400 Personen wurden verletzt. (APA/dpa)

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