MobilCom-Sanierungsplan sieht Ausbaustopp für UMTS-Netz vor

22. September 2002, 11:02
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Abbau von mehr als 1600 Arbeitsplätzen geplant

Das deutsche Telekommunikationsunternehmen MobilCom wird den Ausbau des eigenen UMTS-Netzes nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" vorerst stoppen. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf Informationen aus Unternehmenskreisen. Demnach ist das Einfrieren des schnellen Multimedia-Mobilfunknetzes Bestandteil des Sanierungsplans, der in den kommenden Tagen vorgelegt werden soll.

"Es gibt noch Optionen"

MobilCom-Sprecher Matthias Quaritsch wollte den Bericht am Samstag nicht bestätigen. "Es gibt nach wie vor Optionen zum Stopp des UMTS-Ausbaus. Das hängt von unseren finanziellen Möglichkeiten ab. Wir werden auf jeden Fall an unseren Lizenzen festhalten", sagte er. Zu Spekulationen über den geplanten Stellenabbau bei MobilCom wollte Quaritsch nichts sagen. Konkrete Ergebnisse könne es erst in der kommenden Woche nach Gesprächen mit den Betriebsräten geben.

Noch mehr Arbeitsplätze gefährdet?

Die WamS berichtet, dass der Sanierungsplan für das angeschlagene Büdelsdorfer Unternehmen einen stärkeren Arbeitsplatzabbau vorsieht als bisher angenommen. Demnach sind deutlich mehr als 1600 Stellen davon betroffen. In anderen Medien war von bis zu 2000 Arbeitsplätzen die Rede, die gestrichen werden sollten.

Kredite in der Höhe von 400 Millionen Euro

Grundlage der Sanierung sind die Kredite in Höhe von 400 Millionen Euro, die dem Unternehmen von der deutschen Regierung und von der Kieler Landesregierung zugesagt worden sind. Die Kredite sollen das Unternehmen dem WamS-Bericht zufolge ein halbes Jahr lang am Leben halten und verteilen sich zu gleichen Teilen auf das Service-Provider-Geschäft, also den Verkauf von Mobilfunk-Verträgen, und auf das Einfrieren der UMTS-Aktivitäten.

Nötige Liquidität gesichert

MobilCom hatte am Freitag die versprochene Kapitalspritze der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über 50 Millionen Euro abgerufen und erhalten. Damit sei die nötige Liquidität für den weiteren Geschäftsbetrieb gesichert, hieß es. Gegensätzliche Aussagen aus Berlin und Brüssel gab es zu der Frage, ob die Brüsseler EU-Kommission der Auszahlung zugestimmt habe. Offen ist weiterhin, ob über die 50 Millionen Euro hinaus weitere Gelder fließen werden.

Soforthilfe statt Insolvenz

MobilCom hätte ohne die staatlich verbürgte Soforthilfe Insolvenz anmelden müssen. Falls sich herausstellen sollte, dass die Zahlung der 50 Millionen Euro gegen die EU-Regeln verstößt, müsste das Unternehmen das Geld zurückzahlen. Mit der Liquiditätshilfe kann sich MobilCom nur wenige Wochen über Wasser halten.

Forderungen als Sicherheit

Völlig offen ist, ob weitere Mittel der KfW oder der Landesbank Schleswig-Holstein fließen werden. Die KfW dementierte zwar nachdrücklich eine Meldung des "Spiegel", nach der die Spitze des Hauses keine weiteren Zahlungen an MobilCom leisten werde. Tatsache ist aber auch, dass als Sicherheit für einen weiteren Kredit über 270 Millionen Euro die MobilCom AG allein Forderungen aus ihren Verträgen mit France Telecom anbieten kann. Die Kieler Landesbank hat ihren Kredit über 80 Millionen Euro zudem davon abhängig gemacht, dass ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer die Tragfähigkeit der MobilCom-Konzepte bestätigt. Außerdem will die Landesbank weitere Institute ins Boot holen.(APA/dpa)

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