Hoffnung auf Überlebende in Kaukasus-Lawine sinkt

22. September 2002, 13:08
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Noch 100 Vermisste - Putin: "Katastrophe unerreichten Ausmaßes"

Moskau - Im Süden Russlands hat sich ein Gletscher von einem Berggipfel gelöst und mehr als 100 Menschen unter sich begraben. Das Dorf Nischni Karmadon in der Republik Nordossetien lag wahrscheinlich genau im Pfad der Lawine aus Eis, Geröll, Schlamm und umgeknickten Bäumen. Der Gletscher kam nach etwa 25 Kilometern auf der Fernstraße von Gisel nach Karmadon zum Stillstand.

Der Ministerpräsident von Nordossetien, Michail Schatalow, sagte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ITAR-TASS, er befürchte bis zu 100 Tote. Ein Mitglied der Rettungskräfte erklärte, Nischni Karmadon sei fast vollständig unter dem Eis begraben. Es sei unwahrscheinlich, dass einer der 50 Bewohner das Unglück überlebt habe.

Pfad der Zerstörung

Nach Berichten der Nachrichtenagentur Interfax hinterließ die Lawine einen 400 Meter breiten Pfad der Zerstörung. Der Fernsehsender TWS berichtete, dass es sich um einen Gletscher des Bergs Kasbek handele, einem der höchsten Gipfel Russlands. Nach Angaben des nordossetischen Präsidenten Alexander Dsasochow war der abgefallene Gletscher etwa 150 Meter hoch. In der Region liegen mehrere Campingplätze für Touristen, es war jedoch nicht klar, ob sie ebenfalls verschüttet wurden.

Der Leiter des Rettungsdienstes in der nahe gelegenen Republik Inguschetien, Murat Batajew, sagte, 25 Menschen seien gerettet worden. Nähere Angaben machte er nicht. Möglicherweise müssten die 3.000 Bewohner der Ortschaft Gisel in Sicherheit gebracht werden, da die Flüsse Genaldon und Giseldon über die Ufer treten könnten. Beide wurden von der Gerölllawine blockiert.

Wegen des Unglücks sagten die Behörden in Nordossetien und Inguschetien eine für Samstag geplante Zeremonie zum Ende des Krieges zwischen beiden Republiken ab.

Fischer bietet Russland deutsche Hilfe nach Erdrutsch an

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hat Russland nach dem schweren Lawinenunglück in der Kaukasus-Republik Nordossetien deutsche Hilfe angeboten. In einem Schreiben an seinen russischen Kollegen Igor Iwanow übermittelte er den Angehörigen der zahlreichen Toten sein Mitgefühl, wie das Auswärtige Amt in Berlin am Samstag mitteilte. Fischer habe Iwanow um Mitteilung gebeten, ob und wie Deutschland helfen könne.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat das schwere Lawinenunglück in der Kaukasus-Republik Nord-Ossetien als "Katastrophe unerreichten Außmaßes" bezeichnet. Wichtigstes Ziel sei nunmehr die Rettung der Verschütteten, zitierte die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti am Samstag den Staatschef. Zudem müsse die Infrastruktur für die in der Region Lebenden wieder aufgebaut werden.

Bei der folgenschwersten Lawinenkatastrophe im Kaukasus seit Jahren kamen in der Nacht zu Samstag mindestens 30 Menschen ums Leben, 110 Menschen wurden am Samstag nach Angaben des russischen Katastrophenschutzministeriums noch vermisst. Ein zunächst als vermisst gemeldetes 27-köpfiges Filmteam nahm unterdessen nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums Kontakt mit den Rettungskräften auf.

Mehr als 36 Stunden nach dem Abgang einer gigantischen Schnee- und Schlammlawine im südrussischen Kaukasus sinkt die Hoffnung auf Überlebende. Bis Sonntag früh seien nach abweichenden Angaben der Behörden zwischen sechs und 17 Leichen aus der meterhohen Schicht geborgen worden. Knapp 100 Menschen würden in dem verschütteten Tal an der Grenze zu Georgien weiterhin vermisst, teilte der Regierungschef der betroffenen Teilrepublik, Michail Schatalow, nach Angaben der Agentur Interfax mit. Es sei zu befürchten, dass die Vermissten tot seien, sagte Schatalow. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das verschüttete Gebiet in Nordossetien

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