Alzheimer beginnt nicht immer mit Gedächtnisschwund

21. September 2002, 14:44
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In Österreich leiden rund 90.000 Menschen an der Krankheit

Linz - Die Alzheimer-Krankheit wird im allgemeinen mit Gedächtnisschwund verbunden - tatsächlich aber treten zu Beginn in jedem zweiten Fall gänzlich andere Symptome auf, die "untypisch" für diese Erkrankung sind und die selbst von niedergelassenen Ärzten oft nicht richtig gedeutet werden. Dies stellten Experten bei einem Kongress fest, der derzeit in Bad Ischl in Oberösterreich stattfindet.

In Österreich dürften rund 90.000 Menschen an Alzheimer leiden, mit der steigenden Lebenserwartung nimmt auch die Zahl der Erkrankungen zu. Bis zum Jahr 2050 rechnen die Fachleute mit österreichweit mehr als 230.000 Alzheimer-Patienten. Denn bei den 80- bis 84-Jährigen erkranken 13 Prozent an Alzheimer, bei den 85- bis 90-Jährigen fast 22 Prozent. Im Alter über 90 ist schon jeder Dritte von Alzheimer betroffen.

Überraschende Erkenntnis

Neueste internationale Studien, die bei dem Kongress in Bad Ischl erörtert werden, brachten nun die selbst für Fachleute überraschende Erkenntnis: Nur bei 47 Prozent der Alzheimer-Patienten treten in der Anfangsphase Gedächtnisschwierigkeiten auf. Hingegen zeigten 32 Prozent "psychiatrische Symptome" wie Rückzug von den sozialen Kontakten, Misstrauen, Furcht und Angst, Wutausbrüche, Aggressionen, das Horten von Dingen oder auf der anderen Seite übertriebenes Geldausgeben. Weitere 21 Prozent haben Orientierungsschwierigkeiten und Probleme im Alltag, die aber nicht mit "Vergesslichkeit" oder ähnlichen Störungen verbunden waren.

Hilfe und Entlastung

Dazu die klinische Psychologin Stefanie Auer vom Verein "Morbus Alzheimer Syndrom" in Bad Ischl: "Wenn man also bedenkt, dass die Alzheimer-Erkrankung im Frühstadium nicht einmal in jedem zweiten Fall durch Gedächtnisschwierigkeiten gekennzeichnet ist, so muss künftig in der Früherkennung das Augenmerk noch viel mehr auf andere Veränderungen im Verhalten des Patienten gelenkt werden". Das gelte im besonderen auch für die niedergelassenen Ärzte, "sie sollten bei auffälligen Verhaltensänderungen eines Patienten auch an Alzheimer denken, selbst wenn kein Nachlassen der Gedächtnisleistung feststellbar ist", sagt Auer. Im kommenden Jahr soll in diesem Zusammenhang österreichweit eine Informationskampagne speziell für niedergelassene Ärzte gestartet werden.

Der Verein "Morbus Alzheimer Syndrom", der auch den Kongress in Bad Ischl veranstaltet, bietet ein spezielles Konzept für Alzheimer-Patienten und deren Angehörige an. Die Angehörigen werden einerseits geschult, es wird ihnen aber auch Hilfe und Entlastung gegeben. Für die Patienten steht die Förderung und Betreuung im Mittelpunkt. Ein zweites Modell wurde in Gmunden gestartet, ein medizinisches und psychosoziales Betreuungsprogramm "Gesund Länger Pflegen" mit dem Ziel der Früherkennung von Alzheimererkrankungen. (APA)

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