Chance für "Kunstplatz Karlsplatz"

21. September 2002, 14:17
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Der Wiener Karlsplatz könnte eine interessante Kunstmeile sein

Wien - Eigentlich wäre der Wiener Karlsplatz eine Kunstmeile internationalen Zuschnitts, die keinerlei Vergleich mit dem heftig beworbenen Museumsquartier scheuen müsste. Doch wer einen Spaziergang vom Künstlerhaus zum project space der Kunsthalle, vom Musikverein zur Technischen Universität oder von der Secession zum Historischen Museum unternehmen möchte, der muss nicht nur die Dauer-Baustelle bei Künstlerhaus und Musikverein überwinden und fundierte Ortskenntnis beweisen, sondern auch zahlreiche, Lärm- und Gefahrenquellen darstellende Verkehrsadern über- oder unterqueren.

Kunstplatz

Schon Otto Wagner hatte festgestellt, dass der Karlsplatz "kein Platz, sondern eine Gegend" sei. Stadtplaner Roland Rainer hat sich über Jahrzehnte immer wieder mit der "Gegend Karlsplatz" beschäftigt und stets ein Gesamtkonzept eingefordert. Die Verlängerung der U 2, die unterirdische Umbauten für eine neue Wendeanlage unter dem Karlsplatz notwendig machte, eröffnet eine gleich zweifache neue Chance für den "Kunstplatz Karlsplatz": Einerseits entstehen neue, unterirdische Räumlichkeiten, über deren Nutzung erst teilweise entschieden wurde (so erhält der Musikverein einen neuen zusätzlichen Saal sowie Probe- und Lagerräume), andererseits könnte der Karlsplatz in der Folge endlich auch oberirdisch attraktiver werden: "Museen brauchen Menschen, die vorbeikommen", weiß der designierte neue Leiter des Historischen Museums, Wolfgang Kos.

Kos ist nicht der einzige, der die bereits seit längerem bekannten Pläne der Architekten Christian Jabornegg und Andras Palffy begrüßt, die einen vom Künstlerhaus ausgeschriebenen Planungs-Wettbewerb gewannen. Neben einer Neuorganisation der Verkehrsströme und Straßenbahn-Führungen sieht das Duo, das nicht nur in der Generali Foundation sein Gespür für moderne Ausstellungsarchitektur bewiesen hat, auch einen großzügigen Ausbau der neuen unterirdischen Räume vor - Räume, die sowohl Kos als auch der Präsident des finanziell angeschlagenen Künstlerhauses, Manfred Nehrer, gerne ihren Institutionen hinzugewinnen möchten. Noch ist die Finanzierung ungewiss. Immerhin: Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) steht dem Projekt positiv gegenüber. Aus seinem laufenden Budget ließen sich die Pläne freilich nicht finanzieren. (APA)

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