Kampf gegen Error-Produkte

21. September 2002, 09:06
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Wiener Unternehmen Accelate spürt intelligente Mobil-Applikationen auf

Die Mobilfunk- und Elektronikkonzerne produzieren sie in Hülle und Fülle, ihre Nutzungsraten liegen dennoch weit hinter den Erwartungen zurück. Die Rede ist von mobilen Endgeräten und Anwendungen, die das Leben erleichtern und die Mobilfunkumsätze in die Höhe schrauben sollen. Tatsache ist, dass nicht wenige Innovationen - etwa der "Pocketreader" von Siemens, ein batteriebetriebener Scanner in der Größe eines Textmarkers - am Massenmarkt scheitern. Denn falls sie es überhaupt in die Regale schaffen, bleiben sie nicht selten Ladenhüter, weil sich herausstellt, dass sie nicht richtig funktionieren oder ihrer Zeit voraus sind.

Einfach oder gar nicht

"Ein Produkt muss einfach gestaltet sein, sonst nimmt es niemand an", sagt Martin Ruckensteiner von Accelate, geschäftsführender Gesellschafter einer Company, die sich als Mittler zwischen den Netzbetreibern und Serviceanbietern sieht. Seit drei Jahren in Wien und München aktiv, prüfen Ruckensteiner und seine 15 Mitarbeiter im Auftrag von Konzernen wie Siemens viel versprechende Ideen auf ihre Marktchancen.

Die Referenzprodukte

Zu den Referenzprojekten gehören das Tourismusportal "AllesReise.com", "Hometronic", ein Fernbedienungsgerät für Heizung, Klimaanlage und Licht von Honeywell und eine drahtlose E-Mail-Lösung für den Organizer "Blackberry", die vom Mobilfunker MMO in Deutschland im Frühjahr gelauncht wurde.

Neun bis zwölf Monate

Neun bis zwölf Monate braucht eine Idee laut Accelate bis zum Launch. Dazwischen liegen die Definitionen eines Produkts, die - je nach technischer Kompliziertheit - drei bis vier Monate dauern, Feldforschung über Bedarf und Akzeptanz einer Innovation und deren Vermarktung samt Businessplan.

Handynetzbetreiber überfordert

Warum das mobile Datengeschäft nicht anspringen will? "Weil die Handynetzbetreiber total überfordert sind und bis dato kein mobiles Datengeschäftsmodell nachhaltig erfolgreich war", glaubt Ruckensteiner. Zudem fehle eine offene Plattform, auf der Dienste angeboten werden. Besonders riskant seien Anwendungen für Handhelds, PDAs und Palmtops, denn diese müssten exakt auf die Zielgruppe zugeschnitten sein. Das schränke zwar die Zahl der potenziellen User ein, bewirke aber, dass nur angeboten wird, was tatsächlich gebraucht wird. Der "Mobile Makler", die von Accelate entwickelte erste ASP-Lösung für Immobilienmakler, könne genau damit punkten.

Potenzial für mobile Onlineapplikationen

Das größte Potenzial für mobile Onlineapplikationen ortet Accelate fürs Erste bei den "Nomaden", also Versicherungs- und Immobilienmaklern, Pharmareferenten, Ärzten und im Kleingewerbe. Diese bräuchten einen vollen Datenbankzugriff via GPRS (und später UMTS), was Flexibilität, Produktivtät und die Qualität der Services enorm erhöhe. Als "Missing Link" zwischen Herstellern und Nutzern erwirtschaftete Accelate im Vorjahr 1,5 Millionen Euro Umsatz, heuer sollen es zwei Millionen Euro sein. Der Gewinn wird ins Wachstum reinvestiert, insbesondere in die eigene Produktentwicklung.(Luise Ungerboeck; DER STANDARD, Printausgabe vom 21./22. September 2002)

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