Große Teile von Arafats Hauptquartier zerstört

21. September 2002, 20:50
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Israel versichert Arafats Unversehrtheit - UNO-Sicherheitsrat berät am Montag über Belagerung

Die israelische Armee hat in einer Reaktion auf den jüngsten Selbstmordanschlag von Palästinensern in Israel den Amtssitz des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in Ramallah mit Panzern und Bulldozern fast vollständig zerstört. Lediglich ein Flügel des Hauptgebäudes blieb verschont; dort hielt sich Arafat am Samstag gemeinsam mit einigen Beratern und etwa 20 von Israel gesuchten Männern auf. In einer Erklärung schloss Arafat eine Kapitulation gegenüber Israel aus.

Am Morgen erschütterten fünf Explosionen den Komplex der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah. Bulldozer hoben einen tiefen Graben um den Amtssitz Arafats aus, Soldaten umzäunten das Hauptgebäude mit Stacheldraht. Aus einem Haus, in dem die Schlafquartiere der Polizisten untergebracht waren, schlugen Flammen. Über Nacht verließen 27 Männer das Gebäude, die aber offenbar nicht auf der israelischen Fahndungsliste standen. Unter den 20 Gesuchten in Arafats Hauptquartier sind der Geheimdienstchef im Westjordanland, Taufik Tirawi, und der Chef der Elitetruppe Force 17, Mahmud Damra.

Arafat war im Obergeschoss seines Amtssitzes eingeschlossen, nachdem die Armee die Treppe zum Erdgeschoss mit einer Panzergranate zerstört hatte, wie die Palästinenser weiter mitteilten. Auch ein Übergang zu einem anderen Gebäudetrakt im ersten Stock wurde zerstört. Arafat wurde damit von einem Großteil seiner Leibwächter abgeschnitten. Die Strom- und Wasserversorgung blieb vorerst intakt. Mit der Belagerung des Hauptquartiers reagiert Israel auf den jüngsten Selbstmordanschlag in Tel Aviv. Neben dem Attentäter kamen dabei sechs Menschen ums Leben, weitere 50 wurden verletzt. Die israelischen Truppen hatten Arafats Hauptquartier bereits bei ihren Offensiven im März und April schwer beschädigt. Damals war Arafat 34 Tage in seinen Räumen gefangen.

Truppen können bleiben

Die israelische Regierung erklärte unterdessen, sie wolle Arafat isolieren, ihn aber nicht verletzen oder ausweisen. Die Truppen sollten bleiben, bis die unter Terrorverdacht stehenden Männer das Hauptquartier verlassen. Der israelische Fernsehsender Channel Two berichtete unter Berufung auf Kreise des Verteidigungsministeriums, Ziel der Militäroperation sei, Arafat unter schwierigen Bedingungen festzusetzen und ihn so zur Ausreise zu zwingen. Der palästinensische Präsident kündigte aber daraufhin an, er werde die palästinensischen Gebiete niemals verlassen.

Arafats Berater erklärten, sie befürchteten einen Zusammenbruch des Bürogebäudes. Arafat sei in der Schusslinie von Scharfschützen. "Präsident Arafat und diejenigen, die bei ihm sind, sind in Gefahr", sagte Nabil Abu Rdeneh am Samstagmorgen. Er forderte ein unverzügliches Einschreiten seitens der internationalen Gemeinschaft. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Arafats Leben sei in Gefahr. "Wir hatten auf eine rasche und dringende Sitzung gehofft." Ranghohe palästinensische Repräsentanten äußerten die Befürchtung, bis Montag könne Israel das belagerte Hauptquartier in Ramallah vollständig zerstören.

Unterdessen hat der Weltsicherheitsrat wegen der erneuten Zuspitzung des Nahost-Konflikts auf Verlangen der arabischen Staaten eine weitere Debatte angesetzt. Das Gremium beschloss am Freitag in New York, die jüngsten palästinensischen Terroranschläge und die Vergeltungsakte der israelischen Armee in einer öffentlichen Sitzung zu erörtern. Sie soll am Montag stattfinden.

Die arabischen Staaten hoffen auf die Annahme einer verbindlichen Resolution, mit der Israel daran gehindert werden soll, das Hauptquartier von Arafat vollständig zu erobern. Sie verlangen zudem einen verbindlichen Beschluss, wonach Israel sich aus allen Gebieten zurück ziehen soll, die es seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes vor fast zwei Jahren besetzt hat.

USA warnen

Die USA riefen Israelis und Palästinenser zur Zurückhaltung auf. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, sagte am Freitag, Israel habe zwar das Recht zur Selbstverteidigung, müsse aber die Konsequenzen seines Handelns im Sinn behalten. Der Nahost-Sondergesandte der Vereinten Nationen, Terje Roed-Larsen, kündigte die baldige Entsendung eines Expertenteams in die palästinensischen Gebiete an. Wenn Israel seine Restriktionen im Gazastreifen und Westjordanland nicht lockere, "könnte die Krise binnen Monaten außer Kontrolle geraten", sagte Roed-Larsen vor dem Sicherheitsrat in New York.

(APA/Reuters/AP)

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