Reichhold, einmal anders

20. September 2002, 20:50
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Der Inftrastrukturminister mistet in der heimischen Forschungs- und Technologieszene aus - Von Luise Ungerboeck

Wer Infrastrukturminister Mathias Reichhold bis jetzt als freundlich, offenherzig, liberal und fair wahrgenommen hat, könnte dieser Tage auch ein anderes Gesicht des FPÖ-Hoffnungsträgers zu sehen bekommen. Denn abseits der Öffentlichkeit führt der Kärntner Biobauer und Hühnerzüchter an der heimischen Forschungs- und Technologieszene vor, was er unter Ausmisten versteht.

Unter tatkräftiger Mithilfe eines ehemaligen Rechnungshofbeamten und eines abgehalfterten Politikers werden nicht nur ökonomisch sinnlose Strukturkonzepte für die Reform der Forschungsförderlandschaft ausgeheckt, sondern auch noch Spitzenleute abmontiert, die das innovative Österreich dringend braucht. Die beiden Seibersdorf-Chefs, Günter Koch und Wolfgang Pell, haben sich nichts zu Schulden kommen lassen. Im Gegenteil, sie haben das marode Forschungszentrum Arsenal in einem Kraftakt in das Austrian Research Center Seibersdorf integriert und damit ein Institut geschaffen, das den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz nicht zu scheuen braucht.

Einziger Makel: Die beiden passen nicht ins provinzielle Konzept Reichholds, das Bundesländerbüros statt einer Internationalisierung vorsieht. Deshalb wurde dem Duo nach getaner Schwerstarbeit Exverteidigungsminister Helmut Krünes (FP) vor die Nase gesetzt, der es jahrelang nicht geschafft hat, kraft seiner Qualifikation an die Seibersdorf-Spitze zu kommen.

Insgesamt fügt sich diese unprofessionelle Vorgangsweise Reichholds freilich hervorragend ins Bild: Der blaue Parteichef in spe versucht, eine drohende Wahlniederlage einkalkulierend, möglichst viele Positionen mit Vertrauensleute zu besetzen, ehe die blaue Regierungsriege vielleicht von den Futtertrögen vertrieben wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.9.2002)

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