Rainhard Fendrich debütiert mit "Wake up!" als Musicalkomponist

20. September 2002, 20:47
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Ob Peter Alexander schmollt, weil man Rainhard Fendrich oft als seinen Nachfolger bezeichnet, ist schwer zu sagen. Umgekehrt verhält es sich eindeutig so: Fendrich ist wegen der Nachfolgerhypothese nicht beleidigt, aber man solle ihn mit ihr in Ruhe lassen! Das mag damit zusammenhängen, dass er sich zu sehr in die Nähe einer Entertainmentvergangenheit gerückt sieht, die er für sein Fortkommen nicht brauchen kann.

Vertieft man sich in seine nach wie vor blonde Erscheinung, meint man aus ihr den Wunsch abzulesen, die Zeit anzuhalten, damit man seiner Kundschaft noch ein Weilchen als juveniler Zeitgenosse gegenübertreten kann. In die Nähe eines Branchenseniors gebracht zu werden, empfindet Fendrich deshalb womöglich als gefährlich. Altern im (Austro-)Pop ist tatsächlich ein heikles Thema, dem sich Fendrich ja auch in seinem Musical Wake up! stellt.

Allerdings hat es der Vielseitige seit seinem ersten Hit Strada del sole geschafft, seine Karriere mit einem breiten Fundament auszustatten, das ihn als Mann für fast alle Medien- und Entertainmentfälle erscheinen und eine Position einnehmen lässt, die Gelassenheit bezüglich der Altersringe erlauben würde. Fernsehshows, Fernsehfilme, TV-Präsenz auch durch lukrative Werbespots (A1) - der locker-herablassende TV-Mensch Fendrich greift dem Musiker Fendrich promotionmäßig unter die Arme. Und würde für Präsenz sorgen, sollte es musikalisch nicht gut laufen.

Doch als wär's der Vielseitigkeit nicht genug, treibt es den 1955 in Wien Geborenen auch noch auf den Planeten Musical. Als Autor und Darsteller. Die Reise ist indes gut vorbereitet, auch biografisch bedingt: Schon in den 70er-Jahren konnte man Fendrich in Musicalnebenrollen am Theater an der Wien (später im Schauspielhaus) erleben; dieses Bühnenwissen konnte er vor Jahren beim Musical Chicago auffrischen.

Damals schrieb er längst an Wake up!. Damals hat er bereits auch jene unliebsamen Erfahrungen mit seinem Exmanager Herbert Fechter gemacht, die ihm horrende Steuernachzahlungen einbrachten (mittlerweile managt ihn seine Frau Andrea, mit der er zwei Söhne hat). All diese Erlebnisse werden im Nachhinein als Erfahrungsstoff im Sinne des Musicals betrachtet.

Schließlich geht es in Wake up! - geschrieben an den Wohnsitzen in Florida, auf Mallorca und in Wien - auch um die ungemütlichen Seiten der Branche. Fendrich selbst gibt den Manager Jeff Zodiak. Sollte er erfolgreich sein - und Fendrich meint, das Unternehmen wie eine Mondlandung vorbereitet zu haben -, hat er ein zweites Opus im Kopf. Es handelt von der Schönheitschirurgie. Ob er auch da seine eigenen Erfahrungen verarbeitet, darüber ist von ihm übrigens keine eindeutige Aussage zu erhalten. ( Ljubisa Tosic/DER STANDARD, Printausgabe, 21.09.2002)

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