Springer-Verlag will Ringier schlucken

20. September 2002, 20:42
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Schweizer sollen mit Kauferlös den 40-prozentigen Springer-Anteil von Pleitier Kirch übernehmen

München - Der Axel Springer Verlag und der Schweizer Verlag Ringier wollen zum größten Zeitungs- und Zeitschriftenverlag Europas mit einem Jahresumsatz von 3,5 Mrd. Euro verschmelzen. Auf dem Weg zur Fusion gibt es allerdings noch erhebliche Hürden. Der Knackpunkt sei die Bewertung von Ringier.

Es sei völlig illusorisch, meinen Insider, dass Springer die von Ringier erwarteten 800 Mio. Euro für eine Übernahme des Schweizer Verlagshauses bezahlt. Mit diesem Betrag will Ringier das 40-Prozent-Aktienpaket erwerben, das der Medienunternehmer Leo Kirch an Springer hält. Durch die Querbeteiligung könnte sich Verleger Michael Ringier bei Springer einkaufen. Damit hätte Springer zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, nämlich den Einstieg der deutschen WAZ-Gruppe zu verhindern und zugleich weiter zu expandieren.

Kein Nullsummenspiel

Ein Nullsummenspiel werde es aber für Ringier nicht geben, hieß es in Verhandlungskreisen. Ringier müsste zusätzliches Geld aufbringen, um sich das Kirch-Paket zu sichern. Strittig ist auch der Anteil, den Ringier am künftigen Printriesen halten soll. Hauptgesellschafterin Friede Springer will fünf Prozent des Kirch-Paketes selber übernehmen und damit ihre Mehr- heit wasserdicht machen.

Für beide Häuser hätte eine Fusion erhebliche Vorteile. Mit ihren jeweiligen Flaggschiffen Bild und Blick sind Springer und Ringier Marktführer in ihren Heimatländern. In Osteuropa machen sich beide kaum Konkurrenz, zudem drohen kaum Kartellrechtsprobleme.

Am Freitagnachmittag läuft für Kirch die immer wieder aufgeschobene Frist ab, um sein Springer-Paket selber zu verkaufen. Sollte er keinen Käufer finden, fällt das Paket zunächst an die Deutsche Bank, der Kirch 730 Mio. Euro schuldet. (DER STANDARD, Printausgabe, dpa, 20.9.2002)

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