Glaube an "Nationalpark Wienerwald"

21. September 2002, 10:00
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WWF appelliert, zehn Prozent des Baumgebietes ins Schutznetzwerk einzubringen

Wien - Der Wienerwald möge doch endlich zum Nationalpark erklärt werden. Anlässlich der Tausend-Jahr-Feiern des Heimatwalds der Wiener und Niederösterreicher erneu-ert der World Wide Fund for Nature (WWF) seine Hoffnung darauf, dass zumindest zehn Prozent der Gesamtfläche als unberührtes Naturreservat dauerhaft geschützt werden sollten.

WWF-Experte Stefan Moidl appelliert daher an die Landeshauptleute von Wien und Niederösterreich, Michael Häupl (SP) und Erwin Pröll (VP), seinen Vorschlag zu unterstützen. Argumentative Schützenhilfe bekommt der WWF aus Bayern. Wolfgang Scherzinger vom Nationalpark "Bayerischer Wald" meint, dass mit dem Waldgebiet rund um Wien die "bis jetzt fehlende Kategorie 'Buchenwald' in das Netzwerk der mitteleuropäischen Nationalparks" eingebracht werden könnte. Michael Häupl und Erwin Pröll haben aber die Idee, den Wienerwald zum "Biosphärenpark" zu machen. Das Gütesiegel wird von der Unesco vergeben und bedeutet nachhaltiges Wirtschaften und Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen.

Spechte im Geschenk

Die Bäume in dem Waldgebiet sind nicht genau vor tausend Jahren dort plötzlich gewachsen, sie stehen schon viel länger dort. Der Grund für die tausendjährige Waldrechnung ist das Datum einer Schen-kungsurkunde des Deutschen Kaisers Heinrich II. In dieser vermacht der Kaiser dem babenbergischen Markgrafen Heinrich am 1. November 1002 das Wienerwaldgebiet zwischen Triesting und Liesing. Im Lauf der Jahre kam das ganze Wienerwaldgebiet an die Babenberger, später an die Habsburger.

An der Erhaltung von "silva viennensis" war wesentlich ein Mödlinger Bürgermeister beteiligt. Josef Schöffel gelang es nach mehrjähriger Medienkampagne, großflächige Holzschlägerungen zu stoppen. Sie waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahr-hunderts vom kaiserlichen Hof angeordnet worden, um Geld für die Staatskassen zu beschaffen. Danach waren die Voraussetzungen geschaffen, dass der Wienerwald zum Erholungsgebiet wur-de. Aufmerksame können alle zehn europäischen Spechtarten beobachten - vom alpinen Weißrücken- bis zum Blutspecht.

48 Prozent der Waldflächen gehören den Bundesforsten. Sechs Prozent befinden sich nach Angaben der Stadt Wien in ihrem Besitz. Der Rest ist im Besitz mehrerer Klöster, Gemeinden und einer großen Anzahl von privaten Waldbesitzern. (aw/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22. 9. 2002)

Ausstellung zum Jubiläum "Tausend Jahre Wienerwald" in der Kartause Mauerbach, bis 27. Oktober, jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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