Stadlers Politbüro

20. September 2002, 20:19
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Der Volksanwalt sieht sich harter Kritik ausgesetzt - von Peter Mayr

Ewald Stadler hat es gut erwischt. Der Volksanwalt verdient ordentlich und hat eine Jobgarantie. Er ist nicht absetzbar. Und dann gibt es noch angenehme Synergien: Der Kopierer ist gratis, das Fax und das Papier sowieso. Außerdem, wenn die Sekretärin schon mal dasitzt ... - Büro Volksanwalt Stadler, FP-Putsch von 9.00 bis 17.00 Uhr.

Es habe sich lediglich um ein einziges Fax gehandelt, dessen Kosten er auch beglichen habe, wehrt sich Stadler. Wo ist also das Problem? Ob es ein Fax oder eine Postwurfsendung war, spielt keine Rolle (wenn er tatsächlich dafür zahlt). Es geht um etwas Grundsätzliches: die Trennung der volksanwaltlichen von der politischen Arbeit. Und die hat Stadler einmal mehr damit torpediert. Aber was soll man anderes von jemandem erwarten, der politische Interviews vor dem Türschild der Volksanwaltschaft gibt, krude Theorien über Österreichs Geschichte im Presseraum verteidigt und sich des Abends anscheinend zu FP-Verschwörerzirkeln in sein Büro zurückzieht?

Seine VP- und SP-Kollegen dürfen dem Treiben zusehen. Ihre Ordnungsrufe sind höchstens lästig. Ebenso ihr Drängen, sich als Volksanwalt nicht parteipolitisch zu äußern. Die Antwort Stadlers: Er habe ein anderes Amtsverständnis.

Der Freiheitliche fühlt sich fest im Sattel. Noch. Aber vielleicht ist er das nicht mehr lange. Denn SPÖ, ÖVP und Grüne denken heftig über eine mögliche Gesetzesänderung nach. Die könnte schnell umgesetzt werden - auch schon in der nächsten Legislaturperiode. Und die FPÖ? Seit dem Knittelfelder Delegiertentreffen und den desaströsen Folgen für die Partei ist Stadlers Image ramponiert. Zurückhaltung wäre angesagt. Die liegt ihm allerdings nicht. Und so könnte der Zündler sich im selbst gelegten Brand die Finger verbrennen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.9.2002)

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