Erst das Stärkeverhältnis, dann die Koalitionsfrage

20. September 2002, 19:26
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Szenarien für eine Regierungsbildung

Berlin - So spannend wie noch nie wird auf den Wahlausgang und die Beantwortung der Frage, welche Koalition künftig Deutschland regiert, gewartet. Sowohl SPD (rot) und CDU/CSU (schwarz) als auch Grüne und FDP (gelb) liegen bei Umfragen beisammen. Abhängig vom Abschneiden der PDS könnte die Konstellation eintreten, dass nur eine große Koalition möglich ist. Die einzelnen Szenarien:

  • Rot-Grün:

    Bei dieser Konstellation würde sich personell am wenigsten ändern. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird ebenso weitermachen wie der grüne Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer.

  • Schwarz-Gelb:

    Kanzlerkandidat Edmund Stoiber würde ins Kanzleramt einziehen, Vizekanzler würde vermutlich FDP-Chef Guido Westerwelle werden. Als Außenminister dürfte Fraktionschef Wolfgang Gerhardt nominiert werden.

  • Rot-Gelb:

    Schröder würde Bundeskanzler bleiben mit Westerwelle als Vizekanzler zur Seite. Gerhardt wiederum gilt als Anwärter für das Amt des Außenministers.

  • Rot-Schwarz:

    Da Stoiber nicht als Vizekanzler in ein Kabinett eintreten würde, könnte diese Aufgabe CDU-Chefin Angela Merkel übernehmen. Schröder würde als Kanzler eine große Koalition leiten, wenn die SPD vor der Union liegt. []

  • Schwarz-Rot:

    Stoiber würde als Kanzler nach Berlin gehen, der bisherige Amtsinhaber Schröder würde sich einen Job in der Privatwirtschaft suchen. Das Amt des Vizekanzlers könnte der bisherige Finanzminister Hans Eichel übernehmen, er könnte dann auch - ohne ausgewiesene Kompetenzen auf diesem Gebiet - Außenminister werden.

  • Rot-Grün-Minderheitsregierung: Diese Variante mit der Personalbesetzung wie Rot-Grün gilt als unwahrscheinlich, da diese Minderheitsregierung auf die Unterstützung der PDS angewiesen wäre - falls die Postkommunisten überhaupt den Sprung in den Bundestag schaffen.

  • Rot-Gelb-Grün:

    Das ist das unwahrscheinlichste Szenario und wird von allen Parteien offiziell abgelehnt. Je nach Stärkeverhältnis der eigenen Partei würde Fischer (Grüne) oder Westerwelle (FDP) Vizekanzler werden. (afs/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.9.2002)

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