"Die Branchenvielfalt in der Steiermark"

25. September 2002, 13:03
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Gemeinsam mit der Personalberatung Iventa lud der Standard hochkarätige Personalentscheider zu einem Roundtable-Gespräch. Martin Mayer, Managing Partner der Iventa Management Consulting, hat das Gespräch geleitet

Wo liegen die konjunkturellen Auswirkungen in Bezug auf den Arbeitsmarkt innerhalb diverser Branchen? Welche Berufe haben heute noch Chancen? Entstehen neue Berufsbilder? Was sind die regionalen Spezifika der Steiermark? - Dies waren die Schwerpunktthemen des Karrieregesprächs mit hochkarätigen Human-Ressource-Managern aus dem Bundesland rund um Graz.

Martin Mayer, Managing Partner der Iventa Management Consulting GmbH, sieht die Steiermark als ein stark in den traditionellen Industriezweigen arbeitendes Bundesland, das durch eine Reihe von Konzernen, aber auch durch Familienunternehmen geprägt wurde. "Es gibt insbesondere bei den Familienbetrieben höhere Anreize für Facharbeiter und Spezialisten und spezielle Qualifizierungsprogramme. Viele Betriebe bilden außerdem selber aus." Die Personalleiterin der Sattler AG, Claudia Muri, pflichtet ihm bei: "In unserer Branche ist die Lage nicht aussichtslos. Es ist zwar schwer, Facharbeiter zu finden - deshalb bilden wir unsere Mitarbeiter auch selber aus -, wir versuchen jedoch, unsere Mitarbeiter zu halten und ans Unternehmen zu binden." Die Sattler AG erwirtschaftet mit 600 Mitarbeitern einen Umsatz von 74 Mio. Euro und ist führender Anbieter von Markisenstoffen.

Ferdinand Rieser, Personalleiter beim Fensterhersteller Gaulhofer GmbH, erzählt: "Für unsere Branche sind die Zeiten aufgrund der Wettbewerbssituation derzeit gar nicht rosig. Der Magna-Konzern hat eine ganze Menge an guten Kräften abgesaugt, auch Techniker sind Mangelware, und den Flexibilitätsgedanken in die Mitarbeiter hineinzubringen ist schwer." Die Firma Gaulhofer beschäftigt 600 Mitarbeiter, der Umsatz beträgt 64 Mio. Euro.

Außerdem konzentriert man sich heuer im Fensterbau auf neue Technologien: Kombinierte Holz-Alu-Fenster oder das selbstreinigende Fenster zählen zu den Highlights. Für die Produktion dieser "Renner", so Rieser, benötige man jedoch hochqualifizierte Fachkräfte.

Erich Mayer, seit nunmehr 18 Jahren Leiter Personal und Sozialwesen bei der Magna Steyr Fahrzeugtechnik, will der schlechten Konjunktursituation trotzen: "Prinzipiell geht es der Automobilindustrie schlecht. Wir planen dennoch, bis 2004 zu den heute 6500 Mitarbeitern noch weitere 2000 aufzunehmen. Außerdem bilden wir auch heuer wieder 180 Lehrlinge aus. Unser Grundsatz lautet: die heimischen Ressourcen im Einzugsgebiet zu rekrutieren."

Magna zählt zu den größten Arbeitgebern des Landes Steiermark. Die Dynamik dieses Konzerns - so sind sich im Übrigen alle Diskutanten einig - ist unübertroffen. In den vergangenen Jahren ist es dem Unternehmen gelungen, die Automobil-Zulieferindustrie in Österreich auszubauen, daraus entstanden auch etliche Cluster. Dass Unternehmen heute mehr als noch vor wenigen Jahren überlegen, wann sie Mitarbeiter aufstocken und welche Positionen sie ausschreiben, verspürt auch Edith Baumgartner, Senior Consultant bei Iventa in Graz. Wichtig sei aber immer noch die Qualität der Mitarbeiter, so Baumgartner. "Unternehmen suchen heute flexible Arbeitskräfte, die sich den rasch verändernden Entwicklungen anpassen können.

Aus dieser Situation entstehen neue Berufe:

Logistik ist ebenso wie Informationsmanagement ein boomender Berufszweig." Erich Mayer geht einen Schritt weiter: "Aus unserer Automobilentwickler-Brille betrachtet hat sich die Qualifikation der Mitarbeiter weiterentwickelt, wir suchen heute mehr Akademiker und HTL-Techniker als noch vor fünf Jahren. Neue Berufsbilder, die in unserer Branche entstehen, heißen Mechatroniker, Automotive Ingenieur und Produktionsingenieur." - "Chancen haben diejenigen, die Engagement zeigen: Da ist es egal, welche Qualifikation man hat", weiß Ferdinand Rieser. Universitätsabsolventen seien zwar gefragt, aber: "Praxiserfahrung ist noch besser und wichtiger." Dass der "Kampf um Arbeiter" in der Steiermark voll entbrannt ist, bestätigt Claudia Muri: "Uns fällt aber auch auf, dass der Arbeitsmarkt der Zukunft ein Spagat zwischen Freizeitgesellschaft und Arbeitswelt ist. Darauf müssen wir uns einstellen."

Für Erich Mayer zählen die Visionen der Gründerpatriarchen mehr: "Johann Puch und Frank Stronach sind doch Paradebeispiele für fleißige und leistungsbereite Menschen. Firmentreue und wirtschaftlicher Erfolg kommt aber von den Mitarbeitern", fügt er hinzu. (gro/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22. 09. 2002)

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