Trommeln für den eigenen Wahlsieg

20. September 2002, 19:14
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Im Finale des deutschen Wahlkampfes gingen die Emotionen noch einmal hoch

Hannover/Schwerin - Für ihn ist es ein Heimspiel: Zum Endspurt im Wahlkampf, in dem er so oft seine Herkunft aus "kleinen Verhältnissen" betont hat, kehrt Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Talle zurück. In dem Dorf in Ostwestfalen hat sich Schröder in seiner Jugendzeit als Stürmer unter dem Spitznamen "Acker" einen Namen gemacht. "Acker" deshalb, weil er die gegnerischen Reihen durchpflügte.

Ehemalige Mitspieler und Ortsbewohner bereiten dem SPD-Politiker einen begeisterten Empfang. Der frühere Vereinskollege Fritz Ellermeier berichtet dann den Medienvertretern, dass die Schröders sehr arm gewesen seien. Wenn Acker ein Tor geschossen habe, sei ihm im Vereinslokal ein Kotelett spendiert worden.

Schröder, der mit seiner Mutter Erika und Frau Doris angereist gekommen ist und die Zeit im Kreise seiner ehemaligen Mitspieler sichtlich genießt, lacht laut auf, als einer in der Runde erzählt, dass er schon als 17-Jähriger im Vereinslokal den Wunsch geäußert habe, Kanzler zu werden. Zum Abschied ruft Schröder, er hoffe, dass ausgerechnet die Taller und Tallerinnen ihn am Sonntag nicht in Stich ließen.

Am Abend in Hannover bei der Abschlusskundgebung seiner Partei in Niedersachsen vor 8000 Zuhörern wiederholt er dann, wie schon bei Dutzenden Wahlkampfveranstaltungen davor, dass er selbst wisse, wie wichtig der Zugang für alle zu Bildungsmöglichkeiten sei. Die Chance, eine höhere Schule zu besuchen, dürfe "nicht von dem abhängen, was Mama und Papa im Geldbeutel haben". Zum Abschluss demonstriert er Siegeszuversicht. "Die Lage ist gut, die Zeichen stehen auf Sieg." Bis Sonntag müsse aber noch gearbeitet werden. "Haltet euch ran, schlaget die Trommel und fürchtet euch nicht", gab er den Anhängern mit auf den Weg.

Deutlich schwerer hat es der Herausforderer Edmund Stoiber beim Wahlkampfabschluss der Union in Mecklenburg-Vorpommern. Als er im Alten Garten in Schwerin ans Pult tritt, klatschen die Menschen vor der Tribüne begeistert, aber hinter den Absperrungen werden die Buh-rufe immer lauter. Stoiber versucht mit dem Versprechen vor zweihundert Zuhörern, die Entwicklung in Ostdeutschland werde in seiner Regierung Priorität haben, zu punkten. "Deutschland ist ein großartiges Land. Es muss nur ordentlich regiert werden."

Der Kanzler habe seine angebliche "Chefsache Ost verantwortungslos schleifen lassen" und dafür gesorgt, dass die Schere zwischen den neuen und alten Bundesländern wieder weiter auseinander klafft. Ohne ein Erstarken der neuen Länder sei Deutschland nicht vom letzten Platz in der europäischen Rangliste wegzubringen, meint Stoiber und versucht, gegen die Gegendemonstranten anzuschreien.

Großen Beifall bekommt der Bayer in Schwerin, als er die SPD/PDS-Landesregierung heftig attackiert. Ministerpräsident Harald Ringstorff sei einfach zu langsam, ätzt Stoiber. "Bei den Konferenzen der Ministerpräsidenten habe ich immer den Eindruck, der bekommt gar nicht mit, wovon die anderen Regierungschefs reden." Deshalb müsse man in Mecklenburg-Vorpommern "die rote Karte zeigen", so Stoiber. Winkend verabschiedet sich der Kanzlerkandidat, vermeidet aber das früher übliche Victory-Zeichen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.9.2002)

Alexandra Föderl-Schmid
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    Die einen sind dafür - die anderen dagegen

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    Der eine soll an der Macht bleiben...

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    ... der andere kommen

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