WWF für Schaffung eines Nationalparks im Wienerwald

20. September 2002, 17:02
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Der Wald ist einer der größten geschlossenen Laubwaldgebiete Mitteleuropas...

Wien - Für die Schaffung eines Nationalparks im Wienerwald tritt der World Wide Fund for Nature (WWF) ein. Das sei auch eine große Chance, den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern - insbesondere der Stadtbevölkerung - den Wert der Wildnis zu vermitteln. Der Nationalpark sollte auf etwa zehn Prozent der Waldfläche eingerichtet und damit mehr unberührte Natur ermöglicht werden, hieß es.

Einer der größten geschlossenen Laubwaldgebiete Mitteleuropas

Der Wienerwald, der in diesem Sommer im Zeichen zahlreicher Feiern und Veranstaltungen zu seinem Millennium stand, ist eines der größten geschlossenen Laubwaldgebiete Mitteleuropas. "Ein Nationalpark Wienerwald kann die bis jetzt fehlende Kategorie Buchenwald in das Netzwerk der mitteleuropäischen Nationalparks einbringen", meint Wolfgang Scherzinger vom Nationalpark Bayrischer Wald. WWF-Experte Stefan Moidl appelliert an die Landeshauptleute von Niederösterreich und Wien, Erwin Pröll (V) und Michael Häupl (S), entsprechend aktiv zu werden: "1.000 Jahre Wienerwald und das internationale Jahr der Berge müssen Anlass genug sein, um wirklich große Schritte zu setzen."

Artenvielfalt

Wie weiter ausgeführt wird, bilden die unterschiedlichen Waldgesellschaften einen einzigartigen Lebensraum für eine unglaubliche Artenvielfalt: So zählt der Wienerwald zu den wenigen Regionen, in denen alle zehn europäischen Spechtarten vorkommen - vom alpinen Weißrückenspecht bis zum Blutspecht, einem "typischen Südost-Europäer". "Trotz der jahrhundertelangen Nutzung hat der Wienerwald noch das Potenzial, sich wieder urtümlich zu entfalten, wenn relativ große Gebiete sich selbst überlassen bleiben", betont Universitätsprofessor Kurt Zukrigl von der Universität für Bodenkultur.

Nach Angaben der Organisation führt wachsender wirtschaftlicher Druck auch im Wienerwald zu einer Intensivierung der Forstwirtschaft. In den vergangenen Jahren seien viele alte Waldbestände genutzt worden. Schon heute liege der Anteil an "Totholz" (tote stehende oder umgestürzte Bäume, Anm.) im Wienerwald unter dem österreichischen Durchschnitt. Gerade diese toten stehenden oder umgestürzten Bäume seien aber die Lebensgrundlage für viele bedrohte Tierarten.

Um verstärkten Naturschutz in der "grünen Lunge" Wiens geht es neben dem WWF auch mehreren Naturschutzorganisationen, Vereinen und regionalen Plattformen. In einem gemeinsamen "Manifest" wurden Mindeststandards für den Schutz des Wienerwaldes und die dafür notwendigen politischen Entscheidungen definiert. Die Forderungen, die in einer Pressekonferenz am kommenden Dienstag in Wien erläutert werden, richten sich laut Aussendung an die politischen Entscheidungsträger, voran Pröll und Häupl. (APA)

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