BSE: Mehr als 7.000 Briten könnten an BSE erkranken

20. September 2002, 16:52
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Seit Mitte der neunziger Jahre sind in Europa rund 80 Menschen an der menschlichen Variante des Rinderwahns gestorben...

London - In Großbritannien könnten nach neusten Untersuchungen mehr als 7.000 Menschen an der menschlichen Form des Rinderwahns erkranken.

Das britische Wissenschaftsmagazin "Medical Journal" berichtete am Freitag unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse einer laufenden Studie, 120 pro einer Million Menschen könnten ein erhöhtes Risiko der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) aufweisen. Die leitenden Forscher waren sich jedoch einig, dass weitere Untersuchungen notwendig seien.

Das Team um David Hilton vom Derriford Hospital in Plymouth untersuchte Blinddarmproben und herausgenommene Mandeln auf krank machende Eiweißstoffen, so genannten Prionen. Von 8.318 Proben wies eine eine Ansammlung von Prionen auf. Außerdem studierten die Wissenschafter Gewebeproben, die bei Operationen und Autopsien von solchen Patienten entnommen wurde, die an vCJD litten. Dabei zeigen 19 von 20 entnommenen Proben Spuren von Prionen.

Studien müssen größer ausgelegt werden

"Die Ergebnisse zeigen, dass wir Studien von größerem Ausmaß benötigen, um verlässlichere Angaben über die Zahl der Personen gewinnen, die vCJD entwickeln könnten", sagte Hilton. "Wir haben bestätigt, dass es Menschen gibt, die im Stillen diese Krankheit in sich tragen, aber wir wissen nicht, ob sie Symptome entwickeln werden." Seit Mitte der neunziger Jahre sind in Europa rund 80 Menschen an der menschlichen Variante des Rinderwahns gestorben, die meisten davon in Großbritannien. Eine Heilung für die Krankheit gibt es nicht.

Nach drei Jahren zeichnet sich ein Ende des französischen Embargos gegen britisches Rindfleisch ab. Die Behörde für Lebensmittelsicherheit (Afssa) stellte am Freitag in Paris das Ergebnis einer Studie vor, wonach das Fleisch kein Risiko mehr für den Verbraucher darstellt. Die Regierung will nun binnen zehn Tagen über eine Aufhebung des Einfuhrstopps entscheiden.

Frankreich lehnt britisches Beef weiterhin ab

Frankreich lässt als einziger EU-Staat weiterhin kein britisches Beef ins Land, nachdem die Europäische Union das wegen der BSE-Seuche verhängte Embargo 1999 aufgehoben hatte. Der Europäische Gerichtshof entschied Ende 2001, Frankreich verstoße damit gegen EU-Recht. Die EU-Kommission wollte Paris mit einem Bußgeld von täglich 158.000 Euro zur Öffnung des Marktes zwingen. Britische Bauern beklagen Einkommensverluste von 470 Millionen Euro pro Jahr.

Die Minister für Landwirtschaft, Gesundheit und Mittelstand erklärten in Paris, sie wollten in spätestens zehn Tagen dem Kabinett ihren Beschlussvorschlag vorlegen. In der Regel folgt die Regierung den Empfehlungen der Behörde für Lebensmittelsicherheit. (APA)

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