Springer und Ringier verhandeln Fusion

20. September 2002, 15:00
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Europas größtes Zeitungs- und Zeitschriftenimperium mit einem Jahresumsatz von rund 3,5 Milliarden Euro könnte entstehen

Zwischen zwei europäischen Verlagsriesen bahnt sich eine Ehe an. Der Axel Springer Verlag und das Schweizer Medienhaus Ringier führen Verhandlungen mit dem Ziel einer Fusion. Das haben am Freitag Teilnehmer der Gespräche der dpa bestätigt. Beide Verlage lehnten eine offizielle Stellungnahme ab. Sollten die Verhandlungen zum Erfolg führen, würde Europas größtes Zeitungs- und Zeitschriftenimperium mit einem Jahresumsatz von rund 3,5 Mrd. Euro entstehen.

Übernahme des Kirch-Pakets

Auf dem Weg zur Fusion gibt es allerdings noch erhebliche Hürden. "Der Knackpunkt ist die Bewertung von Ringier", verlautete aus Verhandlungskreisen. Es sei "völlig illusorisch", dass Springer die von Ringier erwarteten 800 Mill. Euro für eine Übernahme des Schweizer Verlagshauses bezahlt. Mit diesem Betrag will Ringier das 40-Prozent-Aktienpaket erwerben, das der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch an Springer hält.

Durch diese Querbeteiligung könnte sich Verleger Michael Ringier bei Springer einkaufen. "Ein Nullsummenspiel wird es aber für Ringier nicht geben", verlautete aus den Verhandlungen. Ringier müsste zusätzliches Geld aufbringen, um sich das Kirch-Paket zu sichern.

Ringier-Anteil strittig

Strittig ist auch der Anteil, den Ringier am künftigen Print-Multi halten soll. Hauptgesellschafterin Friede Springer will fünf Prozent des Kirch-Paketes selber übernehmen und damit ihre Mehrheit am Unternehmen wasserdicht machen. "Es geht Springer in erster Linie um die Neuordnung der Aktionärsstruktur", heißt es. Die Witwe des Verlagsgründers streitet vor Gericht mit dem Springer-Enkel und Minderheitsaktionär Axel Sven Springer, der sich bei der Aufteilung des großväterlichen Erbes benachteiligt sieht.

Strategische Vorteile

Gespräche über eine Fusion hatten Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner und Verleger Michael Ringier bereits vor mehr als einem Jahr aufgenommen. Doch erst mit der Kirch-Krise wurden die Verhandlungen konkreter. Für beide Häuser hätte eine Fusion erhebliche strategische Vorteile. Mit ihren jeweiligen Flaggschiffen "Bild" und "Blick" sind Springer und Ringier Marktführer in ihren Heimatländern. In Osteuropa, als Wachstumsmarkt von zentraler Bedeutung, machen sich die Häuser kaum Konkurrenz. Zudem müssen die Beteiligten kaum kartellrechtliche Probleme befürchten.

Einig sind sich beide Verlagshäuser angeblich schon in der Besetzung von Aufsichtsrat und Vorstand. Neben einem Mandat im Kontrollgremium soll Ringier zwei Posten in einem erweiterten Vorstand bekommen.

Am Freitagnachmittag sollte für Kirch die immer wieder aufgeschobene Frist ablaufen, um sein Springer-Paket selber zu verkaufen. Sollte er keinen Erwerber finden, fällt das Paket zunächst an die Deutsche Bank, der Kirch 730 Mill. Euro schuldet. Da es sich um vinkulierte Namensaktien handelt, hat Mehrheitsaktionärin Friede Springer ohnehin das letzte Wort über den neuen Besitzer. "Es bleibt die Möglichkeit, die Aktien an der Börse zu platzieren", heißt es aus den Gesprächen.

Außerordentliche Springer-Hauptversammlung

Kirch hat aber noch eine Chance, die Verhandlungen mit Ringier zu stören. Für kommenden Dienstag hat der Filmrechtehändler eine außerordentliche Springer-Hauptversammlung nach Berlin einberufen lassen. Dort will er eine Sonderprüfung der Bilanz und Schadensersatz durchsetzen. Er wirft Döpfner vor, mit der ausgesprochenen Verkaufsoption von 11,5 Prozent an der ProSieben-SAT.1 AG den Kirch- Niedergang ausgelöst zu haben - auch zum Schaden von Anteilseigner Springer. (APA)

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